Getrübte Aussichten bei scharfer HDTV-Technik

von Torsten Kieslich

 am 08.02.2010

Mit Beginn der Olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver Mitte Februar gehen ARD und ZDF mit hochauflösenden Programmen regulär auf Sendung. Auch bei den Privatsendern wie RTL, VOX, SAT 1, Pro 7, Kabel1 und einigen Spartensendern flimmern Sendungen in HD-Qualität über den Äther. Doch der Empfang der neuen Fernsehtechnik, die schärfere Bilder, brillante Farben und bessere Tonqualität verspricht, hat seine Tücken. Längst nicht jeder Zuschauer kann das schärfere Fernsehen ohne weiteres empfangen.

„HD-Programme kann nur sehen, wer sich mit passenden Zusatzgeräten ausstattet und bereit ist, für die HD-Variante der Privatsender nach zwölfmonatiger Schonfrist jährlich 50 Euro zu bezahlen“, erklärt die Verbraucherzentrale NRW: „Kabelkunden in NRW müssen sich vorerst mit drei HD-Programmen bescheiden.“

Darüber hinaus sind die Zuschauer technischen Gängelungen ausgesetzt, wenn sie die HD-Variante der großen Privatsender auf einen Festplattenrecorder aufzeichnen wollten. „Kein Bilderbuchstart für eine revolutionäre Technik“, kritisieren die Verbraucherschützer und geben einen Überblick darüber, mit welchem Aufwand Zuschauer künftig in den HD-Genuss kommen:

  • Via Satellit: Das größte Angebot gibt es derzeit für Satelliten-Kunden. Die brauchen allerdings einen HD-fähigen Sat-Receiver, um die HD-Kanäle zu finden. Wer die verschlüsselten Programme der Privaten sehen will, benötigt einen anderen speziellen Sat-Receiver, der mit HD + gekennzeichnet ist, sowie eine bestimmte Smartcard. Die meisten derzeit auf dem Markt befindlichen HD-Sat-Empfänger sind nicht für den Empfang der HD-Programme von RTL, SAT 1 und Co. geeignet, selbst wenn sie mit einer CI-Schnittstelle ausgerüstet sind. Doch damit nicht genug: Nach einem ersten kostenlosen Jahr sollen Zuschauer für den Empfang künftig auch noch jährlich eine Gebühr von 50 Euro zahlen. Ein weiteres Manko: Alle HD-Sendungen können zwar auf einen Festplattenrecorder aufgezeichnet werden, jedoch blockieren die Privatsender durch ihre Verschlüsselung das Vorspulen von HD-Aufzeichnungen.
  • Via Kabel: Für Kabelkunden in Nordrhein-Westfalen gibt es vorerst nur ARD, ZDF und Sky Sport in HD-Qualität. Voraussetzung: ein Unitymedia-Digital-Anschluss und ein HD-fähiger Kabelreceiver. Für Sky Sport ist allerdings ein spezieller Sky-HD-Receiver erforderlich.
  • Via Antenne: Zuschauer mit Antennenempfang (DVB-T) brauchen sich über superscharfe Bilder gar keine Gedanken zu machen, denn über Funkmasten und Fernsehtürme wird HDTV in Deutschland gar nicht ausgestrahlt. Auch wenn die Werbung immer wieder auf eingebaute HDTV-Empfänger für DVB-T verweist: Wo nichts ausgestrahlt wird, kann auch nichts empfangen werden.
  • Via Internet: Auch der TV-Empfang über die DSL-Leitung liefert hochaufgelöste Fernsehbilder. Neben dem Angebot aus der firmeneigenen Videothek gibt es bei T-Home Entertain drei öffentlich-rechtliche HD-Sender sowie einige Spartensender – allerdings nur, wenn der DSL-Anschluss eine Mindestbandbreite von 25 Megabit pro Sekunde hat und der alte T-Home-Empfänger gegen eine HD-fähige Box ersetzt worden ist.

Weitere Informationen rund um HDTV und digitale Medien hat die Verbraucherzentrale NRW zur Lektüre in einem „Medienkompass“ zusammengestellt. Die Informationsmappe ist für 3,50 Euro in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW erhältlich. (tok)

Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

* Pflichtfeld

*

*
*