Mit neuer Technologie kann jeder 3-D-Szenen in Webseiten einbauen

von Torsten Kieslich

 am 27.02.2010

In Kinofilmen und Computerspielen kann man heute schon in dreidimensionale Welten eintauchen, die Menschen und ihre Umgebung sehr realistisch nachbilden. Im Internet ist davon allerdings noch wenig zu sehen. Wenn der Nutzer dann noch selbst die virtuelle Welt verändern möchte, stößt er im Internet bisher schnell an Grenzen. Wie es schon bald auf einfache Weise anders geht, zeigen Forscher aus Saarbrücken. Sie können jetzt interaktive 3-D-Szenen direkt in beliebige Webseiten einbetten. Die neue Technologie werden sie auf der internationalen Computermesse Cebit 2010 vorstellen, die vom 2. bis 6. März in Hannover stattfindet (Halle 9, Stand B 43).

Die 3-D-Technologie für das Internet wurde von einem Forscherteam um Professor Philipp Slusallek am neu gegründeten „Intel Visual Computing Institute“ an der Universität des Saarlandes und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt. Die Informatiker nahmen dafür gewöhnliche Webbrowser wie den „Firefox“ genauer unter die Lupe. Mit der dort verwendeten Programmiersprache HTML konnten bisher nur Texte, Bilder und Videos angezeigt werden. Durch eine Erweiterung, die die Saarbrücker Informatiker in den vergangenen Monaten entwickelten, können jetzt auch komplexe dreidimensionale Graphiken verarbeitet werden. Diese neue Web-Technologie, genannt „XML3D“, kann in Zukunft mithilfe eines kleinen Zusatzprogramms von allen Internetnutzern verwendet werden. Auf der Computermesse Cebit werden die Saarbrücker Forscher erste Browser-Versionen mit dieser 3-D- Erweiterung vorstellen.

Die Anwendungen für die neue Technologie sind vielfältig. So könnte eine Kundin künftig etwa ein Abendkleid vor dem Kauf im Onlineshop virtuell anprobieren. Sie hätte dann die Möglichkeit, sich auf dem Bildschirm durch eine dargestellte Oper oder eine Diskothek räumlich zu bewegen. Ein Autokäufer könnte sich virtuell zur Testfahrt in das neue Auto setzen, dessen Ausstattung er vorher für sich persönlich zusammengestellt hat. Auch für Ingenieure eröffnen sich ganze neue Möglichkeiten, wenn sie an verschiedenen Standorten Produkte entwerfen und ihre 3-D-Modelle gemeinsam über das Internet bearbeiten können.

Die neue Technologie aus Saarbrücken hat den Vorteil, dass sie für Web-Entwickler und Designer einfach zu lernen ist, da sie auf die bekannte Web-Technologie der Browser aufbaut. Sie unterstützt neben der traditionellen Rasterisierung zur Darstellung der Szene auch das so genannte Echtzeit-Raytracing. Diese interaktive Visualisierungstechnik wurde von Philipp Slusallek und seinem Team in den vergangenen Jahren zur Marktreife gebracht und wird heute von den großen Chipherstellern Intel und Nvidia für ihre jeweilige Graphik-Hardware weiterentwickelt und angeboten. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Verfahren können damit Schatten und Reflexionen physikalisch korrekt dargestellt werden. Dies lässt virtuelle Szenen etwa in Kinofilmen oder Computerspielen wesentlich realistischer aussehen. (tok)

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