Firefox 4 und der Datenschutz?
Im Internet Explorer 9 wird ein Listen-System enthalten sein, mit dem sich der Datenhunger von Webseiten konsequent eindämmen lässt.
Das Listen-System ermöglicht es dem Nutzer, genauer festzulegen, welche Daten gesammelt und welche Daten nicht gesammelt werden dürfen. Dadurch löst Microsoft erneut das Versprechen ein, nicht mehr Daten als nötig zu sammeln und bleibt diesem Ansatz auch bei seinem neuen Browser treu, obwohl es sich dabei nicht um Daten handelt, die der Konzern zur eigenen Nutzung sammelt.
Auch in Firefox 4 sollte eine ähnliche Funktion eingebaut werden, die jedoch inzwischen wieder aus dem Browser entfernt wurde. Wie das Wall Street Journal berichtet, ist Mozilla nach anhaltendem Druck der Werbe-Industrie eingeknickt und hat dieses Sicherheits-Feature gestrichen. Mozilla weist diese Vorwürfe jedoch weit von sich und behauptet stattdessen, dass die Funktion aus eine ganz anderen Grund gestrichen wurde: Die Firefox-Entwickler haben sich zu diesem Schritt entschlossen, damit die Werbe-Industrie nicht zu noch versteckteren Mitteln greift, wodurch sich wiederum die Geschwindigkeit vieler Webseiten verringern würde.
Das Wall Street Journal schreibt in seinem Artikel, dass die Entwickler-Version von Firefox 4 am 28. Mai 2010 eine entsprechende Funktion enthielt, mit der Tracking-Cookies gelöscht werden, sobald Firefox vom Anwender geschlossen wird. Am 9. Juni 2010 soll es deshalb zu einem Treffen zwischen einem der Vize-Präsidenten von Mozilla und dem Gründer des Marketing-Konzerns Better Advertising gekommen sein. Während dieses Gesprächs soll es darum gegangen sein, dass Werbefirmen zu anderen Mitteln und Wegen greifen würden, um Daten der Webseiten-Besucher zu sammeln – und nötigenfalls auch „in den Untergrund“ abwandern würden. Bereits einen Tag später, am 10. Juni 2010, war die Funktion zum automatischen Löschen von Tracking-Cookies beim Schließen von Firefox 4 nicht mehr vorhanden.
Bislang ist noch längst nicht abschließend geklärt, welche Motivation wirklich hinter der Entscheidung von Mozilla steckt. Jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Mozilla hier in einem glasklaren Interessenkonflikt steckt: Wie wir bereits vor einigen Wochen berichteten, stammt der Bärenanteil der Firefox-Einnahmen aus einem Deal mit Google. Von den rund 104 Millionen US-Dollar, die Firefox eingenommen hat, stammen 86 Millionen US-Dollar aus Werbung. Mozilla würde sich also indirekt den Geldhahn zudrehen, falls konsequenter gegen Werbung auf Webseiten vorgegangen würde.
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