Android: Mit dem Smartphone anonym ins Internet

24. Dezember 2014
Rudolf Ring Von Rudolf Ring, Hardware, News & Trends ...

Immer mehr Anwender von Mobilgeräten interessieren sich für das Thema Datenschutz und anonymes Surfen im Internet. Zwar gibt es bisher kein garantiert abhörsicheres Verfahren, mit dem Sie vollends anonym bleiben, dennoch können Sie Ihre eigenen Daten auf Android-Mobilgeräten bereits mit vergleichsweise geringem Aufwand angemessen schützen, wie die nachfolgenden vier Tipps der Kommunikationsexperten der E-Plus-Gruppe zeigen.

Wenn Sie Ihre mobile Kommunikation vor Dritten schützen möchten, haben Sie heute viele Möglichkeiten. Ob einschlägige Apps aus dem Play Store oder bordeigene Tools des Betriebssystems, eines haben jedoch alle Lösungen gemeinsam: handelt es sich nicht um Open-Source-Software, kann niemand zweifelsfrei die Sicherheit der Daten garantieren. Um ein hohes Maß an Abhörsicherheit zu gewährleisten, müssten Betriebssysteme wie das von Google entwickelte Android durch eine Software auf Open-Source-Basis ersetzt werden. Nur so lässt sich nach eingehender Analyse des Quellcodes der Nachweis erbringen, dass die verwendete Software keine Schlupflöcher und Angriffsmöglichkeiten bietet. Ein solches Betriebssystem ist GuardianROM. Doch Vorsicht: Wer sein Smartphone mit Root-Rechten ausstattet oder das vorinstallierte Betriebssystem gegen ein freies wie GuardianROM austauscht oder verändert, verliert seine Garantieansprüche.

Ganz soweit muss man aber auch nicht gehen. Schon mit einigen wenigen Open-Source-Apps lässt sich eine Sicherheitsstufe erreichen, die über den allgemeinen Standard hinausgeht und das Ausspähen zumindest in Teilen unterbindet. Allerdings: Eine Verschlüsselung ist nur wirklich wirkungsvoll, wenn auch der Gesprächspartner oder – im Falle von Internet-Daten – die Gegenstelle die gewählte Kryptografie-Methode nutzt oder unterstützt.

1. WLAN und GPS: Wenige Handgriffe für mehr Schutz gegen Spionage

Schon das weitverbreitete Betriebssystem Android von Google liefert von Haus aus Werkzeuge zum Verbessern Ihrer Sicherheit und des Datenschutzes mit. Beispiel WLAN: In den erweiterten Einstellungen des „WLAN“ versteckt sich die Funktion „Suche immer erlauben“. Ist diese aktiviert, sucht das Smartphone auch bei ausgeschaltetem WLAN nach Netzen in der Nähe, um standortbasierte Dienste weiterhin versorgen zu können. Zum Nachteil des Nutzers: Auf diese Weise hinterlässt man überall um sich herum kleine Spuren, die später zu einem Bewegungsprofil zusammengestellt werden können.

Etwas kniffliger wird es beim Gebrauch der satellitengestützten Ortung per GPS: Ungemein praktisch ist die genaue Position für die Navigation oder die Suche nach einem Restaurant in der Nähe. Ebenfalls wichtig ist das GPS, sollte das Smartphone verloren gehen oder geklaut werden. Allerdings greifen auch verschiedene andere Apps gerne auf die GPS-Daten zurück, um diese an die eigenen Server zu senden. Wer das nicht möchte und auf die gezielte Umgebungssuche verzichten kann, sollte das GPS daher abschalten.

2. SMS verschlüsselt verschicken

Die App "TextSecure" verschlüsselt Textnachrichten und speichert diese lokal – ebenfalls verschlüsselt. So bleiben die eigenen Nachrichten nicht nur während der Übermittlung geschützt, sondern auch danach. Nach der selbst für Laien einfachen Installation der App muss einmalig ein Passwort vergeben werden. Anschließend liest die App bereits vorhandene Textnachrichten ein, um sie anschließend verschlüsselt wieder im Datentresor der App zu speichern. Auch der Austausch von Nachrichten mit anderen Menschen ist einfach: dazu einfach den Kontakt auswählen und auf das Schloss-Symbol tippen. Nun verschickt die App eine Nachricht an den Empfänger mit einem Hinweis. Akzeptiert der Empfänger die Anfrage, werden alle Botschaften zukünftig verschlüsselt zwischen beiden Geräten übertragen. Einzige Bedingung: Beide Geräte haben die App installiert.

3. E-Mails vor dem Lauschangriff schützen

Für gewöhnlich werden E-Mails seit jeher offen über das Internet übertragen. Ähnlich einer Postkarte, doch wesentlich komfortabler, können somit Geheimdienste und technisch versierte Menschen jederzeit den Datenaustausch zwischen verschiedenen Parteien unbeobachtet abfangen, mitschneiden oder einsehen. Dies zu verhindern, ist Aufgabe der App "APG". Sie stellt auf dem Smartphone das bekannte Verschlüsselungsformat PGP zur Verfügung. Beim erstmaligen Aufruf erzeugt die App auf Basis eines AES-256-Algorithmus ein individuelles Schlüsselpaar mit einer Länge von 4.096 Bit, das fortan zur verschlüsselten E-Mail-Kommunikation herangezogen wird.

Um mit dem E-Mail-Verkehr starten zu können, bietet sich die Installation der App „K-9“ an. „K-9“ ist ein weitverbreiteter Mailclient, der die OpenPGP-Krypthografie von APG unterstützt: Nach dem erstmaligen Einrichten des Mail-Kontos wird in den Einstellungen unter „Kryptografie“ der OpenPGP-Anbieter „AGP“ ausgewählt und integriert. Von nun an kann jede ausgehende Mail verschlüsselt gesendet werden, indem das Häkchen „Verschlüsseln“ angeklickt wird.

4. Anonym ohne Zuschauer surfen

Tor-ProjektWer im Internet anonym bleiben möchte, sollte sich zwei weitere Apps installieren: „Orbot“ erlaubt das Surfen über einen Proxy – dem Tor-Netzwerk, welches die Spuren im Internet verwischt. Neben der App Orbot sollte zusätzlich der Browser Orweb installiert sein, um ein Höchstmaß an Sicherheit im Web zu gewährleisten. Dieser Browser speichert – anders als beispielsweise der Browser Chrome – unter anderem keinen Verlauf und deaktiviert Javascript. Einziger Wermutstropfen: Beide Apps funktionieren nur auf gerooteten Geräten.

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