Warum ELSTER manchmal nicht das richtige Hilfsmittel für die Steuererklärung ist

15. Januar 2015

Wer seine Steuererklärung machen muss, der greift in der Regel auf den Klassiker ELSTER zurück und schickt die Dokumente online an das Finanzamt. Und der Erfolg gibt der Software offenbar Recht, denn allein für das Gesamtjahr 2013 wurde eine überraschende Zunahme von Online-Steuererklärungen auf insgesamt 15,2 Millionen Euro verzeichnet.

Das ergibt ein Plus von stolzen 25 Prozent, welches aber vor allem dadurch zu erklären ist, dass mittlerweile auch viele Steuerberater verstärkt auf ELSTER zurückgreifen. Für das gerade abgelaufene Jahr 2014 sind bereits 16 Millionen Einkommensteuererklärungen eingetroffen. Damit überwiegen erstmals auch die ELSTER-Steuererklärungen gegenüber den klassischen Papiersteuererklärungen. Trotz allem sorgt der Einsatz von ELSTER bei vielen Anwendern aber nicht nur für Freude, denn die Software hat derzeit noch mit ein paar Kinderkrankheiten zu kämpfen und kann auch bezüglich einiger anderer Punkte nicht gänzlich überzeugen. Worum es dabei geht und weshalb ELSTER nicht immer das richtige Hilfsmittel für die Steuererklärung sein muss, zeigt folgende Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile.

  1. Die vorausgefüllte Steuererklärung – Fluch oder Segen?
    Im Grunde ist es eine gute Idee: Steuerzahler können über ELSTER viele gespeicherte Daten des Finanzamts nutzen und diese direkt in ihre Steuersoftware übernehmen. Unter dem Namen „vorausgefüllte Steuererklärung“ soll so der Erfassungsaufwand verringert werden, außerdem besteht weniger Potenzial für Eingabefehler. Zweifellos eine gute und praktische Sache, bislang kann die organisatorische und technische Seite allerdings noch nicht gänzlich überzeugen. Eine erste Hürde stellt beispielsweise das ELSTER -Signaturzertifikat dar, welches für die Handhabung sensibler Daten zwar durchaus berechtigt, jedoch auch sehr umständlich in der Anwendung ist. Die Finanzverwaltungen haben zu diesem Zweck ein mehrstufiges Verfahren entwickelt. Dabei beginnt es mit der Antragsstellung, geht über zur Freischaltung, danach folgt die Bereitstellung – dieser Vorgang dauert meist eine gute Woche und in Ausnahmefällen sogar noch deutlich länger. Viele weitere kleine Kinderkrankheiten kommen außerdem hinzu. So ist der Belegabruf beispielsweise nur mit einer ELSTER -Signatur auf Basis der Steuer-Identifikationsnummer möglich, viele Nutzer verfügen allerdings nur über die normale Steuernummer. Eine Umstellung ist nicht möglich, daher muss direkt ein komplett neues Basis-Zertifikat her. Auch die darauf folgenden Abrufcodes und ggf. Freischaltcodes sorgen für ein kleines Datendurcheinander. Immerhin können Nutzer aber davon ausgehen, dass diese und weitere Problematiken im Laufe der nächsten Wochen und Monate immer weiter minimiert werden.

  2. Steuerspar-Programm direkt von den Finanzbehörden?

    Ist auf die Software der Finanzbehörden wirklich Verlass?
    Tipps zum cleveren Sparen liefert sie zumindest nicht.

     

    ELSTER ist ein offizielles Programm der Finanzbehörden und kommt somit direkt vom Staat. Ein gewisser Interessenkonflikt ist daher im Grunde nicht zu vermeiden, denn schließlich möchte der Steuerzahlen möglichst wenig zahlen, während die Finanzbehörden ihrerseits an hohen Steuerbeträgen interessiert sind. Es verwundert daher kaum, dass ELSTER auf kleine Tipps und Ratschläge hinsichtlich der Steuererklärung verzichtet und sich stattdessen eher bedeckt gibt, auch allgemeine Hilfestellungen sind eher begrenzt vorhanden. Für diejenigen, die ihre Steuererklärung ohnehin jedes Jahr aufs Neue anfertigen, dürfte diese Tatsache zwar kein Problem sein, Neulinge hingegen können schnell unter den fehlenden Tipps leiden und so einige hundert Euro in den Sand setzen. Aus diesem Grund könnte diesbezüglich auch eine andere Software eine sinnvolle Investition sein, denn unabhängige Anbieter halten für ihre Nutzer viele interessante Ratschläge bereit und sorgen darüber hinaus auch dafür, dass das Ausfüllen der Dokumente noch etwas nachvollziehbarer ist. Andererseits kosten eben jene Alternativ-Programme in der Regel etwas, sodass hier vor allem die individuelle Situation abgewogen werden sollte.

  3. Fehlende Benutzerfreundlichkeit

    Noch leidet die Software unter kleinen Problemen
    und verringert somit auch die Benutzerfreundlichkeit

     

    Das Online-Portal von ELSTER ist außerdem gerade für Neulinge oftmals ein Buch mit sieben Siegeln, denn die Bedienung gestaltet sich insbesondere am Anfang gar nicht so leicht. Tatsächlich gestaltet sich die Software sogar eher kompliziert und recht komplex, wirkt durch die vielen zusätzlichen Vordrucke schnell überladen und kann Nutzer dementsprechend überfordern. Personen, die nur über ein geringes technisches Wissen verfügen oder wenig Erfahrung mit einer Steuersoftware haben, werden von den vielen Informationen daher schnell „erdrückt“. Roland Krebs, verantwortlicher Verfahrensmanager für die amtliche Steuersoftware ELSTER gab in einem Interview bereits bekannt, dass die Entwickler an der Verbesserung der Usability arbeiten, die Auswirkungen sollen allerdings erst in ein bis zwei Jahren für den Nutzer spürbar werden. Darüber hinaus kann außerdem nicht jeder PC-Nutzer Gebrauch von ELSTER machen – denn weder MacOS noch Linux werden durch die Software unterstützt. MacOS- und Linux-Anwender müssen aus diesem Grund entweder Vorlieb mit den teureren Alternativen nehmen oder im Vorfeld Windows installieren, was einzig für die Bearbeitung der Steuererklärung ein sehr großer Aufwand ist. Nicht unbedingt benutzerfreundlich sind außerdem die Fehlermeldungen, die mitunter auftauchen. Denn zwar läuft das Programm meist stabil beim Ausfüllen der Dokumente und speichert auch alles problemlos ab, doch die Übermittlung der Daten funktioniert nicht immer einwandfrei. Schuld daran sind oftmals abgelaufene Zertifikate oder nicht korrekt installierte Plugins, aber auch die Verbindung zum Finanzserver selbst scheint fehleranfällig zu sein. Einige weitere störende Funktionen hat außerdem auch das Fachmagazin Chip aufgegriffen und vorgestellt.

  4. Unsicherheit der Nutzer
    Immer noch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Steuererklärungen ausschließlich mit offiziellen ELSTER-Produkten korrekt und einwandfrei sind. Von diesen Vorurteilen sollten sich die Anwender jedoch lossagen, denn mittlerweile benutzt jede ELSTER-Software die ELSTER-Bibliotheken im Hintergrund. Demnach werden also alle Angaben ganz genauso wie im offiziellen Produkt behandelt und werden auch erst nach der Abbildung in den Bibliotheken an das Finanzamt weitergeleitet – und zwar nur dann, wenn alle Fehler korrigiert sind. Nutzer müssen demnach keine Angst vor Rückfragen des Finanzamts oder einer hohen Fehlerquote haben, da die amtliche ELSTER-Software diesbezüglich keinerlei Vorteile bietet.

 

Fazit
Letztendlich ist ELSTER durch all diese Punkte zwar keine durch und durch schlechte Software und lässt sich nach einigem Hin und Her meist auch gut in den Griff bekommen, dennoch wird hier schnell deutlich, dass das Programm noch mit einigen Hürden zu kämpfen hat, die im Endeffekt vor allem die Nutzer betreffen. Wer dennoch nicht auf ELSTER verzichten möchte, sollte sich daher gut einarbeiten und bei Bedarf auch den Support um Hilfe fragen, andererseits lohnt sich aber auch ein Blick auf die zahlreichen Alternativen auf dem Markt.

 

Quelle: Artikel 'Achtung, ELSTER Online' auf steuererklaerung-2014.org'

Abbildung 1:  pixabay.com PublicDomainPictures (CC0 1.0)

Abbildung 2:  pixabay.com geralt (CC0 1.0)

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