Motherboard auswechseln

24. März 2010
Reiner Backer Von Reiner Backer, Windows, Hardware, Linux ...

Wie Sie Ihr Motherboard/Mainboard sicher auswechseln und Stolperfallen vermeiden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wenn Ihr Motherboard einen Defekt erlitten hat, dann hilft meist nur noch der Austausch. Ein Motherboard-Wechsel ist aber nicht nur bei einem Defekt notwendig, auch bei einem Prozessor-Austausch benötigen Sie meist ein neues Motherboard. Wie Sie Ihr Motherboard sicher auswechseln und Stolperfallen vermeiden, erfahren Sie mit den passenden Schritt-für-Schritt-Anleitungen in den nachfolgenden Tipps.

Checkliste beachten

Mit der folgenden Checkliste räumen Sie die größten Gefahren beim Austausch des Motherboard aus:

  • Prüfen Sie, ob sich durch den Tausch ein erhöhter Strombedarf ergibt. Das ist insbesondere der Fall, wenn zusätzlich zu Ihrem Motherboard auch die Grafikkarte gewechselt oder eine CPU mit einer höheren Stromaufnahme eingesetzt wird. Dann sind 450 Watt als unterste Grenze zu betrachten.
  • Problematisch ist das Weiterverwenden einer älteren CPU und Arbeitsspeicher. Kontrollieren Sie daher beim Hersteller, welche CPU-/Speichertypen vom Motherboard unterstützt werden. Wird Ihre vorhandene CPU vom neuen Motherboard nicht mehr unterstützt, können Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Arbeitsspeicher nicht mehr verwenden.
  • Prüfen Sie, ob Sie Ihre Erweiterungskarten weiterverwenden können. Haben Sie die benötigte Anzahl Steckplätze zur Verfügung?
  • Reicht das alte PC-Gehäuse von der Dimension her aus? Die Anordnung der Komponenten auf einem neuen Motherboard kann sich erheblich unterscheiden. So können Vorbauten für Laufwerke die Montage der RAM-Module behindern oder für einen leistungsstarken CPU-Kühler fehlt in Ihrem Gehäuse der notwendige Raum.

Motherboard entnehmen

Die meisten Motherboard-Hersteller legen dem Board eine Anleitung für die Installation bei. Kontrollieren Sie diese, um etwaige Besonderheiten des Boards vor dem Austausch zu berücksichtigen.

  1. Öffnen Sie das PC-Gehäuse und entfernen Sie alle Steckkarten auf dem Motherboard.
  2. Notieren Sie sich die jeweiligen Kabelfarben und den dazugehörigen Motherboard-Anschluss. Kontakt 1 einer Verbindung ist meist mit einer Ziffer 1 oder einem Zeichen wie einem kleinen Dreieck auf dem Motherboard gekennzeichnet. Wenn Sie über eine Digitalkamera verfügen, können Sie die Position der bisherigen Anschlüsse auch im Bild festhalten. Trennen Sie erst dann die Kabel vom Motherboard ab.
  3. Um das Board aus dem Gehäuse zu entnehmen, lösen Sie je nach Konstruktion zuerst Gewindeschrauben (meist M4), Blech- und Kunststoffhalterungen.
  4. Eine gute Hilfe: Das eigentliche Entnehmen des Boards aus dem PC-Gehäuse wird bei hochwertigen Gehäusen meist durch einen Aufklappmechanismus oder bei Servergehäusen durch eine Entnahme durch den Gehäuseboden unterstützt.
  5. Bei der gängigen Form des Turm-Gehäuses ist es eine sehr gute Hilfe, wenn Sie den PC für alle Montagetätigkeiten auf die Seite legen.

Motherboard vorbereiten

Vor dem Einbau des Motherboards installieren Sie zuerst die CPU und den dazugehörenden Kühler.

  1. Montieren Sie die CPU auf das Motherboard. Beachten Sie bei der Montage der CPU die Orientierungshilfe für die korrekte Positionierung, die Ihnen durch einen kleinen Punkt und/oder eine abgeflachte Ecke gegeben wird.
  2. Installieren Sie anschließend den Kühler. Beachten Sie dabei die Empfehlungen des Kühler-Herstellers in puncto Wärmeleitpaste. Tragen Sie nicht zu viel Wärmeleitpaste auf den CPU-Kern oder die anliegende Kontaktfläche des Kühlers auf. Denn bei leitfähiger Wärmeleitpaste mit Metallanteilen (z. B. „Artic Silver“) kann es sonst sogar zu Kurzschlüssen kommen.
  3. In speziellen PC-Gehäusen, oftmals flache Server für kleine Arbeitsgruppen, können Sie das Board manchmal zur Montage von unten oder über die Gehäuserückseite auf den gewünschten Platz schieben. Dabei darf der Kühler allerdings nicht montiert sein, da das Board sonst nicht mehr durch diese Montageöffnung passt.
  4. Setzen Sie die Arbeitsspeichermodule ein. Je nach Modultyp zeigen Ihnen unterschiedliche Passkerben in der Modul-Kontaktseite die Montageposition an.

Motherboard einsetzen

Im nächsten Schritt montieren Sie das Gehäuse. Das benötigte Montage-Kleinmaterial ist nicht im Lieferumfang neuer Motherboards enthalten. Es wird vielmehr mit dem PC-Gehäuse geliefert. Fehlen Teile, finden Sie sie im Elektronik-Versandhandel, z. B. bei www.conrad.de.

  1. Stellen Sie zuerst sicher, dass möglichst viele Distanzstücke im PC-Gehäuse so sitzen, dass sie genau in die Befestigungslöcher des neuen Motherboards hineinpassen.
  2. Bei Kunststoff-Distanzstücken muss mindestens ein Metall-Distanzstück verwendet werden, um den Massekontakt des Boards mit dem Gehäuse zu gewährleisten. Kontrollieren Sie, ob das hierfür verwendet Bohrloch wirklich Kontakt mit der Masse des Motherboards hat.
  3. Während die Kunststoffhalterungen das Board selbsttätig festhalten, müssen Sie für den Massekontakt ein oder zwei Metallschrauben eindrehen.
  4. Verschrauben Sie immer nur handfest und vermeiden Sie es, die Schrauben zu fest anzuziehen, da Sie dadurch das Motherboard zerstören können.
  5. Bei besseren Gehäusen können Sie die Metallplatte, an die das Motherboard geschraubt wird, nach hinten oder unten aus dem Gehäuse herausziehen. Die damit mögliche Verschraubung von Halteplatte und Motherboard außerhalb des Gehäuses erleichtert Ihnen Montage und Fehlersuche erheblich.

Motherboard verkabeln

Die notwendigen neuen Kabel befinden sich im Lieferumfang des Motherboards. Ihre alten Kabel Sollten Sie nicht weiterverwenden. Auch bei Kabeln können sich nämlich technische Unterschiede ergeben, die von außen nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Das betrifft insbesondere die Kabelverbindungen zu den Laufwerken.

  1. Stecken Sie zuerst die Stromversorgung auf. Dann verbinden Sie je nach Anforderung eventuelle weitere Stromverbinder.
  2. Schließend Sie die Laufwerke an.
  3. Nun bleibt noch der Anschluss der Lüfter, der je nach System sehr unterschiedlich ausfallen kann. Gehen Sie daher besonders vorsichtig vor und prüfen Sie pingelig, welche Lüfter mit dem Motherboard zu verbinden sind. Neben der Stromverbindung des CPU-Lüfters sind dies wahrscheinlich noch ein oder zwei Gehäuselüfter.
  4. Das Anschließen der Schnittstellen reduziert sich auf die USB-Ports. Meist sind schon zwei USB-Ports fest in die Schnittstellenleiste an der Motherboard-Rückseite integriert. Zusätzlich sind noch Verbindungen zur Firewire-Schnittstelle oder anderen spezifischen Komponenten wie WLAN- oder Bluetooth-Antennen oder erweiterten Audioanschlüssen herzustellen. Richten Sie sich hier nach den Montageempfehlungen des Herstellers.
  5. Verbinden Sie nun alle Motherboard-Anschlüsse zum Frontpanel. Anzahl, Bezeichnungen und Positionen der Anschlüsse unterscheiden sich je nach Motherboard. Der wichtigste Anschluss von allen ist im folgenden Beispiel mit „SPWR“ beschriftet. Hier wird der Schalter der Gehäuse-Frontseite angeschlossen, mit dem Sie Ihren PC ein- und ausschalten.
  6. Alle wichtigen Anschlüsse sind nun durchgeführt. Kontrollieren Sie vor dem ersten Testlauf, ob noch offene Kabelenden übrig sind oder ob sich Schrauben im Gehäuse selbstständig gemacht haben. Diese könnten sonst Kurzschlüsse auslösen.

Testlauf durchführen

Nach dieser Endkontrolle ist Ihr PC bereit zum ersten Testlauf.

  1. Handelt es sich um ein Motherboard mit integriertem Grafikmodul, schließen Sie Ihren Monitor daran an. Andernfalls setzen Sie Ihre Grafikkarte in den passenden Slot und verbinden Ihren Bildschirm mit der Grafikkarte.
  2. Schließen Sie nun noch die Tastatur, die Maus und das Stromkabel an. Verbinden Sie den PC mit dem Stromnetz und drücken Sie den Power-on-Schalter an der Gehäusefront.
  3. Aktivieren Sie das BIOS-Setup und nehmen Sie dort die eventuell notwendigen Anpassungen vor.

Troubleshooting

Wenn Ihr PC nicht startet, trennen Sie ihn von der Stromversorgung und führen diese Maßnahmen durch:

  • Während die meisten Motherboards die CPU-Parameter Kernspannung, Bustakt und Multiplikator automatisch über das BIOS einstellen, müssen Sie diese Einstellungen bei manchen Boards entweder manuell über Jumper oder „von Hand“ im BIOS vornehmen. Setzen Sie das BIOS zurück und stellen Sie das Board auf die korrekten CPU-Parameter ein.
  • Bei vielen PCs muss erst eine Steckbrücke (Jumper) von der Transport- in die Betriebsposition umgesetzt werden, bevor das Motherboard arbeitet. Dieser Jumper befindet sich in aller Regel in unmittelbarer Nähe der Batterie-Knopfzelle.
  • Alle aktuellen Boards haben vielfach eine Sicherheitseinrichtung, die einen Start verhindert, wenn der CPU-Kühler nicht oder falsch angeschlossen ist. Prüfen Sie daher das Kabel und den Anschluss vom Prozessor zum Board und tauschen Sie wenn nötig den Lüfter gegen ein anderes Modell aus.
  • Hilft das alles nichts, prüfen Sie, ob das Board außerhalb Ihres PC-Gehäuses startet. Ziehen Sie alle überflüssigen Kabel ab, bauen Sie Ihr Motherboard wieder aus und legen Sie es auf eine nicht leitende Unterlage. Schließen Sie vom Netzteil nur die Spannungsversorgung des Boards an, keine weiteren Komponenten. Je nach Erfordernis rüsten Sie noch provisorisch eine Grafikkarte hinzu oder benutzen das Onboard-Grafikmodul. Zudem muss der EIN-Schalter der Gehäusefront mit dem Frontpanel-Anschluss am Motherboard verbunden sein. Nun müsste sich beim Einschalten ein Bild zeigen und Ihr „PC-Provisorium“ sollte bis zu der Meldung starten, dass keine Tastatur angeschlossen ist.
  • Läuft Ihr Motherboard außerhalb des Gehäuses, aber nicht im montierten Zustand, ist möglicherweise ein Montagefehler die Ursache. Prüfen Sie genau, ob beispielsweise eine metallische Halteklammer oder ein Kabel einen Masseschluss erzeugen. Verschrauben Sie Ihr Motherboard nicht sofort fest mit der rückseitigen Halteplatte. Setzen Sie alle betreffenden Schrauben erst lose an. Überprüfen Sie dann die optimale Position des Boards, indem Sie die Grafikkarte einsetzen und den optimalen Sitz des Steckplatzes im Slot des PC-Gehäuses überprüfen. Ziehen Sie die Schrauben erst dann handfest an. Und erst danach setzen Sie eventuelle weitere Karten ein und ziehen die erreichbaren Schrauben endfest an.

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