Das Porträt - Die Wirkung der Aufnahmeparameter

21. Juli 2009
Torsten Kieslich Von Torsten Kieslich, Bildbearbeitung ...

Ein Tipp von Carina Meyer-Broicher aus "Digitale Fotowelten"

Der Mensch ist von jeher das meistfotografierte Objekt, die Porträtfotografie so alt wie die Fotografie selbst, denn Menschen schauen sich gerne andere Menschen an. Aber welche Auswirkungen haben die Aufnahmeparameter auf das Gesicht? Wir wollen uns im Detail damit beschäftigen, welche Auswirkung die Brennweite und Perspektive auf die Bildwirkung eines Head Shots haben.

Den Satz: „50 mm sind eine gute Porträtbrennweite“, werden Sie auch kennen. Aber es geht schon damit los, dass 50 mm an Ihrer DSLR durch den Crop-Faktor wahrscheinlich mindestens 75 mm haben – es sei denn Ihre Kamera hat einen Vollformat-Chip. Und dann trifft das eher auf formale Brustbilder oder Ganzkörperporträts als auf Close Ups oder das Gesicht zu.

Es gehört mehr zu einem außergewöhnlichen Porträt, als den Menschen nur abzubilden. Erschwerend für den Fotografen kommt dazu, dass das Modell, egal, ob aus dem privaten Umfeld, professionelles Modell, männlich oder weiblich, natürlich auch gut aussehen möchte – möglichst besser als in natura.

Posing – Finden Sie die Schokoladenseite

So gibt es kein Patentrezept, das sich auf alle Menschen anwenden lässt und mit dem Sie auf jeden Fall ein tolles Porträt bekommen. Alle Menschen sind gleich – das gilt zwar vor dem Gesetz – aber auf keinen Fall vor der Kamera. Menschen zeichnen sich durch ihre Einzigartigkeit aus und so müssen Sie auch bei jedem Modell individuell die Aufnahmeparameter festlegen.

Auch wenn Sie den Menschen, den Sie porträtieren wollen, kennen, schauen Sie ihn sich in einem Gespräch noch einmal ganz genau an. Welches ist die Schokoladenseite? Ist das Gesicht eher rund oder länglich? Gilt es, besondere Merkmale wie eine große oder kleine Nase zu kaschieren, oder ist vielleicht der Hals zu kurz oder lang? All das nimmt Einfluss auf die Auswahl der Brennweite und die Aufnahmeperspektive. Wenn Sie Aufnahmen von Ihnen unbekannten Menschen machen, gilt es natürlich umso mehr, in einem Vorgespräch das Modell kennenzulernen und sich Gedanken über die Perspektive, Brennweite und Blende zu machen.

Objektiv und Brennweite – Von Stupsnasen und Grimassen

Was nun kommt, mag Ihnen etwas mühevoll erscheinen, Sie werden aber sehen, wie schnell so Ihre Porträts den letzten Schliff bekommen:

Setzen Sie Ihr Modell auf einen Stuhl und bitten Sie es, möglichst die Körperhaltung nicht zu verändern. Nehmen Sie ein Zoomobjektiv oder mehrere Objektive mit verschiedenen Brennweiten – ein Weitwinkel, eine Normalbrennweite, ein Tele und eine sehr lange Brennweite. Daneben benötigen Sie Klebeband.

Fotografieren Sie auf Augenhöhe mit dem Modell und behalten Sie Blende und Belichtungszeit bei. Beginnen Sie mit dem 50-mm-Objektiv, suchen Sie sich einen Aufnahmestandpunkt, von dem aus Sie das Gesicht des Modells formatfüllend im Bild haben, und machen Sie ein Foto. Markieren Sie Ihren Standpunkt auf dem Boden mit Klebeband.

Wechseln Sie nun das Objektiv bzw. die Brennweite und verwenden Sie möglichst den gleichen Bildausschnitt mit den anderen Brennweiten. Dazu müssen Sie natürlich die Position wechseln, der Weitwinkel erfordert mehr Nähe zum Objekt und das Tele einen wesentlich größeren Motivabstand. Aber versuchen Sie auch mit den anderen Objektiven ein Foto von dem zuvor markierten Standpunkt aus.

Vergleichen Sie nun die Aufnahmen und achten Sie auf die unterschiedliche Bildwirkung der verschiedenen Brennweiten. Die meisten Fotos werden Ihnen gut erscheinen, andere wirken durch die Verzerrung des Objektivs beim Weitwinkel z. B. eher lustig. Eines werden Sie aber schnell erkennen: Bei einem sehr schlanken Gesicht lassen sich mit Weitwinkel- oder Normalobjektiv noch gute Aufnahmen machen, etwas fülligere Gesichter wirken durch die Verzerrung noch voller und nicht vorteilhaft. Ein mittleres Tele (105 mm) wird in beiden Fällen ein gutes Ergebnis bringen, alle Telebrennweiten schmeicheln dem Modell generell.

Eine lange Brennweite bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich: Die Brennweite kontrolliert auch die Bildstaffelung und damit den Hintergrund. Kurze Brennweiten lassen den Hintergrund größer und dominanter erscheinen, die lange Brennweite reduziert das Foto auf das Wesentliche – das Modell.

Bei Menschen, die es nicht gewohnt sind, vor der Kamera zu posieren, haben Sie auch noch das Plus, dem Modell nicht zu nahe auf die Pelle rücken zu müssen. Die Präsenz der Kamera rückt im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund und das Modell ist entspannter. Wenn Sie mich nach meinem Lieblingsobjektiv für Close Ups fragen: Das 80 bis 200 mm Telezoom.

Perspektive – Leiter oder Boden?

Bei Porträts soll das Modell in der Regel direkt in die Kamera schauen und so den Betrachter direkt anblicken. Das erfordert eine Aufnahme auf Augenhöhe. Aber sowohl aus Gründen der emotionalen Wirkung als auch durch eventuell zu kaschierende Schwächen des Modells ist ein Wechsel der Perspektive sinnvoll. Sie können das Szenario für die Brennweite noch um die Parameter erhöhter und niedriger Aufnahmestandpunkt ergänzen, um die veränderte Bildwirkung zu kontrollieren.

 Wenn Sie zum Beispiel Stolz oder Überlegenheit der zu porträtierenden Person darstellen möchten, erfordert dies einen Aufblick der Kamera, Sie nehmen also von unten auf. Dies erfordert einen gewissen Abstand zum Modell, um nicht von unten gegen das Kinn oder in die Nase zu fotografieren. Mit einem Standpunkt, der Ihnen ermöglicht, die Person von oben aufzunehmen, lassen sich Unterwürfigkeit, aber auch Verletzlichkeit darstellen. Klettern Sie dafür gegebenenfalls auf eine Leiter.

Mit der Aufnahmeperspektive verändert sich auch die Körperform des Modells in der Abbildung. So schmeicheln Sie einem etwas fülligeren Modell mit einer Aufnahme von oben und auch große Nasen werden so zu netten kleinen Nasen. Eine frontale Aufnahme eines sitzenden Modells lässt dieses wuchtiger erscheinen. Außerdem wirkt diese Aufnahme statisch und auch schnell langweilig, weil diese Perspektive häufig gewählt wird.

Abhilfe schafft eine seitliche Körperdrehung der Person, wobei der Kopf sich wieder der Kamera zuwendet. Geringe Änderungen in der Kopfhaltung können dem Foto eine komplett andere Aussage verleihen. Das vorgestreckte Kinn und der leicht nach vorne gebeugte Oberkörper können dem Bild eine freundliche oder offene Note verleihen, zusammen mit hartem Licht aber auch Aggressivität darstellen. Lehnt das Modell Kopf und Oberkörper hingegen nach hinten, kann so Distanz oder auch Verletzlichkeit symbolisiert werden.

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