Das Zonensystem

25. Juni 2012

Der amerikanische Fotograf Ansel Adams (1902-1984) entwickelte in den 1930er-Jahren gemeinsam mit Fred Archer das Zonensystem. Dieses System soll es ermöglichen, die Tonwerte, also Grauabstufungen und Kontraste, in einem Foto besser zu steuern. Ihr Ziel war es, eine allgemein verständliche Methode zu entwickeln, um die Helligkeitsstufen einer Szene über die Kamera in den Tonwertbereich des Drucks zu übersetzen.

Natürlich wurde dieses System für die analoge Fotografie entwickelt, es kommt aber auch mit der digitalen Fotografie problemlos zurecht und verhilft Ihnen nicht nur zu Fotos mit ausgezeichneten Tonwerten und feinen Nuancen, sondern gelangt derzeit in der Digitalfotografie zu neuer Blüte. Die Tonwerte eines Fotos sind Geschmackssache. Das Zonensystem lässt dem Fotografen kreativen Spielraum, denn die Zuordnung der Zonen im Bild bestimmen Sie selbst.

Im Grunde wenden Sie, wenn Sie Ihre Fotos bearbeiten, das Zonensystem wahrscheinlich bereits unbewusst an. Sie gleichen Tiefen und Lichter aus, verändern die Gradation und korrigieren gegebenenfalls auch die Belichtung bei der RAW-Konvertierung oder nachträglich bei der Bildbearbeitung. All das dient der Findung optimaler Tonwerte oder der Anpassung der Tonwerte in der Form, wie Sie Ihren Vorstellungen entsprechen. Um diesen Prozess gezielt zu steuern, und zwar von der Planung der Aufnahme bis hin zum Druck, schauen wir uns die Möglichkeiten, die Ihnen das Zonensystem in der systematischen Anwendung bietet, genauer an. Die Überlegungen Adams zum Zonensystem gelten genauso für nicht analoge Aufnahmeverfahren, also auch für den Sensor Ihrer Digitalkamera, den Bildschirm und Ihren Drucker. Wie Sie schon in anderen Kapiteln erfahren haben, verfügen alle am digitalen Workflow beteiligten Geräte über einen unterschiedlichen Kontrastumfang. Dabei hat Ihre Kamera den höchsten Dynamikbereich, der Monitor einen geringeren und der Papierabzug oder Ausdruck schließlich den geringsten Kontrastumfang.

Die digitale Bildbearbeitung bietet mit ihrer Software wesentlich einfachere und umfangreichere Möglichkeiten als die analoge Fotografie. So kann jeder einzelne Grauwert angepasst werden oder die Grauwerte in Relation zueinander abgestimmt werden. Dies wäre in der Dunkelkammer nur mit einem extrem hohen Aufwand oder gar nicht zu machen. So ist auch eine kreative Gestaltung der Tonwerte einfach zu realisieren, die Grenzen zur Bildmanipulation sind hier allerdings fließend.

Schon bei der Aufnahme: Der Szene Zonen zuordnen

Die Zuordnung der Zonen geschieht nicht erst bei der Konvertierung der Fotos in Graustufen, sondern beginnt bereits bei der Wahl der Belichtung. Hier liegt ein weiterer Vorteil der Digitalfotografie: Sofort nach der Aufnahme können Sie anhand des Histogramms oder der Monitorwiedergabe schon kontrollieren, ob eine Über- oder Unterbelichtung vorliegt.

Die Blende und Verschlusszeit können Sie besonders bei unbewegten Motiven so lange verändern, bis die beabsichtigten Kontrastverhältnisse erreicht sind. Bei einem Negativ- oder Diafilm wäre dies nicht möglich, hier können Sie erst nach der Negativentwicklung beurteilen, ob der Film richtig oder wunschgemäß belichtet wurde. Das Zonensystem lässt sich mit der Spotbelichtungsmessung oder mit dem Handbelichtungsmesser und manueller Belichtungssteuerung auch in der Landschafts- und Studiofotografie anwenden. Das Zonensystem und die Kamerahalbautomatik Mit den Halbautomatiken wie der Blendenpriorität (A/Av) oder der Zeitautomatik (S/Tv) Ihrer Kamera müssen Sie das Zonensystem bereits vor der Belichtungsmessung anwenden. Stellen Sie die Kamera auf Spot- oder Selektivmessung ein, wählen Sie die benötigte Blende oder Zeit vor und entscheiden Sie sich für das Objekt zur Messung.

Anhand der Zonentabelle entscheiden Sie sich nun für die notwendige Belichtungskorrektur, die Sie an der Kamera einstellen. Danach können Sie die Belichtung mittels Belichtungsmessungsspeicher (AE-L) auf das Objekt messen und speichern und anschließend den Bildausschnitt wählen und die Aufnahme machen. Die einzige Einschränkung, die es dabei gibt, ist die Belichtungskorrektur selbst. Die meisten Kameras lassen nur eine Korrektur im Bereich von ± 2 EV, also eine Abweichung um 2 Blenden nach oben oder unten, zu. Es ist also theoretisch nur möglich, Objekte von Zone III bis Zone VII zu messen. Die Nutzung der Kameraautomatik hat aber den Vorteil, dass der Belichtungsmesser die fixierte Belichtungskorrektur speichern kann. Wenn Sie also mehrfach hintereinander Objekte mit gleicher Helligkeit fotografieren, so können Sie bei bereits eingestellter Belichtungskorrektur ohne weiteres Nachprüfen die Belichtung messen und fotografieren.

Das Zonensystem und der manuelle Modus

Im manuellen Kameramodus unterliegen Sie keinen Einschränkungen hinsichtlich der Belichtungskorrektur. Im manuellen Modus müssen Sie zwar die Aufnahmeparameter von Hand einstellen, aber der Belichtungsmesser arbeitet nach wie vor automatisch und überträgt die gemessenen Daten und die daraus resultierende Belichtung. Diese Messdaten werden auf der Belichtungsskala angezeigt. Nun verändern Sie Blende und oder Verschlusszeit so, dass der Belichtungsmesser die entsprechende Belichtungskorrektur auf der Skala anzeigt. Bei einem Objekt der Zone IV würde bei korrekter Parameterwahl eine vom Belichtungsmesser gemessene Unterbelichtung von –1 EV auf der Belichtungsskala angezeigt werden. Die Skala umfasst aber ebenfalls nur ± 2 EV, also müssen Sie sich eines kleinen Tricks bedienen, um die Belichtung auch in Zonen außerhalb dieser 2 Blenden zu korrigieren. Da Sie die Parameter in 1⁄3- oder 1⁄2-EV-Schritten verändern können, ist es ebenso einfach, ein Objekt in Zone II (Belichtungskorrektur –3 EV) zu verschieben. Richten Sie die Parameter so aus, dass der Belichtungsmesser eine Unterbelichtung von 2 EV anzeigt. Von diesem Punkt ausgehend, verringern Sie die Belichtung um einen weiteren 1-EV-Schritt, indem Sie die Parameter entweder dreimal (bei 1/3-Schritten) oder zweimal (bei 1/2-Schritten) in den Minusbereich verschieben. Wird mit dem Belichtungsmesser ein Element des Fotos angemessen, repräsentiert der Belichtungswert die Zone V (18%iges Neutralgrau). Wollen Sie jedoch, dass der Bildbereich deutlich dunkler dargestellt wird, legen Sie für ihn Zone III fest. Das bedeutet: Wenn Ihre ursprüngliche Belichtungsmessung zum Beispiel 1/60 s bei Blende f/8 war, liegt der neue Wert 1/60 s bei Blende f/16, also Blende f/8 plus zwei Blendenstufen von Zone V auf III.

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