Der Autofokus

18. Juni 2012

Der Autofokus ist ein wesentliches Stilmittel zur Gestaltung von Fotos. Eine verschobene Schärfeebene kann einem Foto trotz des gleichen Motivs einen völlig anderen Charakter geben. Hierin liegt auch die Gefahr, denn beim Einsatz der Schärfe gilt: Knapp daneben ist auch vorbei.

Wenn die Schärfeebene nicht genau da liegt, wo sie sein soll, werden die Betrachter Ihr Bild als misslungen ansehen. Ein klassisches Beispiel dafür sind Aufnahmen von Menschen. Generell erwartet der Betrachter, dass die Schärfe dort liegt, wo er zuerst hinschaut, nämlich auf die Augen. Der Rest des Porträts kann dann ruhig eine leichte Unschärfe haben, das Bild wirkt immer noch gelungen. Liegt die Schärfeebene stattdessen auf der Nasenspitze oder auf den Haaren und die Augen haben einen leichten Unschärfeschleier, ist die Wirkung des Bilds dahin.

Ein Betrachter sucht Haltepunkte auf einem Bild. Diese Haltepunkte liegen fast immer da, wo auch die Schärfe des Bilds liegt. Handwerklich ist es daher immer noch eine große Herausforderung, die Schärfe genau dort zu legen, wo man sie haben will, auch wenn Werkzeuge wie der Autofokus das Leben erleichtern. Doch auch der Autofokus hat Tücken und Grenzen, die Sie im Folgenden kennen lernen werden.

Messmethoden: Aktiver und passiver Autofokus

Ein wenig Wissen um die physikalischen Grundlagen hilft, die Grenzen der Scharfstellung zu verstehen und zu erkennen, wie man den Autofokus durch eigenes Handeln unterstützen kann. Generell werden in der Fotografie zwei unterschiedliche Autofokus-Varianten eingesetzt, der aktive und der passive Autofokus. Beide haben dieselbe Aufgabe: Die automatische Scharfstellung. Die Arbeitsweise ist jedoch unterschiedlich.

Die erste Methode sendet Infrarot- oder Ultraschallsignale aus und ermittelt aus den Laufzeiten der Messstrahlen die Entfernung des Objektivs, während die andere Methode das Motiv selbst misst, genau genommen den Kontrastunterschied der erfassten Strukturen, und so den Motivabstand iterativ ermittelt. Wenn die Kamera eigene Messsignale verwendet, spricht man von einem aktiven Autofokus. Aktive Varianten werden in einigen Kompaktkameras verwendet. Aufgrund der gemessenen Entfernung erfolgt dann die Scharfstellung des Objektivs.

Ein aktiver Autofokus kann auch bei sehr schlechtem Licht arbeiten, theoretisch sogar bei völliger Dunkelheit, denn auch von glatten Flächen ohne Kontraste lässt sich der aktive Autofokus nicht irritieren und stellt zuverlässig scharf. Wenn Sie allerdings Spiegel oder Glas ins Bild integrieren wollen, ist der aktive Autofokus überfordert, da er im Gegensatz zum passiven Autofokus nicht das Spiegelbild messen kann, sondern nur den Spiegel selbst.

Digitale Spiegelreflexkameras arbeiten mit einem passiven Autofokus. Dazu verfügt die Kamera über spezielle Sensoren. Diese Sensoren liegen meist im Boden der Kamera und werden über einen zweiten kleinen Spiegel, der hinter dem Hauptspiegel liegt, mit Licht versorgt. Die Sensoren messen das einfallende Licht und versuchen über einen Vergleich des Phasenkontrastes während des Fokussierens, den Punkt des stärksten Kontrasts festzustellen, in der Annahme, dass dieser Punkt auch gleichzeitig der Punkt der größten Schärfe ist.

Die genaue Bezeichnung dieser speziellen Sensoren für den Autofokus ist TTL-CT-SIR. Diese Abkürzung steht für „Through The Lens Cross Type Secondary Image Registration“. Das bedeutet frei übersetzt, dass die AF-Messung durch die Linse erfolgt und durch die Überlagerung von Teilbildern anhand vertikaler und horizontaler Linien die Entfernung ermittelt und in Steuersignale an den AF-Motor umsetzt.

Der Vorteil der passiven Messung ist, dass sich der Autofokus nicht von Glasflächen oder Spiegel irritieren lässt und zuverlässig auf das Motiv scharf stellt, sofern das Motiv innerhalb der Sensorfelder Kontraste (also Strukturen) aufweist. An glatten oder stark spiegelnden Flächen wird der Autofokus allerdings scheitern.

Stärken und Schwächen des Autofokus

In den allermeisten Aufnahmesituationen wird Ihnen der Autofokus eine große Hilfe sein. Denn präziser als die Messung der Phasenverschiebung über die AF-Messfelder können Sie mit der Kombination aus Auge und Einstellhand kaum sein. Insbesondere wenn Sie die Messfelder von der Kamera automatisch anwählen lassen und sich das zu fotografierende Motiv schnell bewegt, gelingen Ihnen viel mehr scharfe Bilder als im manuellen Modus. Die AF-Sensoren sind in der Lage, auch kleinste Strukturen zu erkennen, um dort den Kontrast zu messen und damit die richtige Schärfe zu finden.

Ein Autofokus ist aber kein Allheilmittel. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen Ihr Autofokus nicht greifen will und Ihre Kamera keinen Schärfepunkt findet. Wann kann es zu solchen Situationen kommen?

Grundbedingung für eine Scharfstellung durch den Autofokus ist, dass innerhalb des aktiven Sensorfelds überhaupt ein messbarer Kontrast vorhanden ist. Sehr glatte einfarbige Flächen weisen keine ausreichenden Kontraste auf. Versuche, eine Plexiglasplatte scharf zu stellen, werden also regelmäßig scheitern, es sei denn, diese weist Kratzer oder Flecken auf oder die Kamera erkennt Spiegelungen in der Platte. Ein ähnliches Phänomen kann Ihnen bei Fahrzeugen mit frischem Lack passieren, ebenso bei Hausfassaden, aber auch an einem sehr ruhigen See oder am Meer. In der Dämmerung kann es wirklich eng für den Autofokus werden. Allerdings ist es dann meist so dunkel, dass selbst Sie kaum noch etwas erkennen.

Ein anderes Problem, das Ihnen hin und wieder begegnen wird, ist eine zu große Empfindlichkeit des AF-Sensors. Sie werden sich vielleicht fragen, was ist damit gemeint: Zu große Empfindlichkeit?

Fotos werden auch im Winter gemacht. Wenn man den letzten Winter einmal außen vor lässt, so schneit es in dieser Jahreszeit öfter. Veranstaltungen wie Fußballspiele finden bei fast jedem Wetter statt, auch bei Schneefall, und an den Spielfeldern werden Sie immer Pressefotografen sehen. Solange sich die Schneeschauer in Grenzen halten, löst die Kamera das Schärfeproblem wie gewohnt gut und zuverlässig. Große, unkontrolliert durch das Bild rieselnde Flocken, eventuell noch in der Kombination mit Flutlicht, führen hingegen zu Irritationen der Sensoren. Durch die im Vergleich zum Hintergrund harten Kontraste kann starker Regen oder Schnee daher störend wirken.

Ein weiteres Problemfeld sind Aufnahmen bei sehr starkem Nebel. So schön solche Bilder auch sein können, so schwer tut sich oft der Autofokus. Die Sensoren können hier keine ausreichenden Kontraste finden, selbst wenn das menschliche Auge noch genügend Strukturen sieht. Das Problem liegt darin, dass die Kontraste zu weich sind, um vom Sensor wahrgenommen zu werden. Der Punkt der Scharfstellung, also der, an dem der Kontrast in der näheren Umgebung am höchsten ist, kann nicht präzise ermittelt werden.

Top-Bildbearbeitungstipps - regelmäßig in Ihr Postfach!

Jetzt gratis per E-Mail

DDV Ehrencodex E-Mail-Marketing
  • Wir benötigen Ihre E-Mail-Adresse für die Zusendung des Newsletters.
  • Wir geben Ihre E-Mail-Adresse garantiert nicht an Dritte weiter.
  • Jederzeit abbestellbar durch einen Link im Newsletter.

Unsere Datenschutzgarantie:

Wir benötigen Ihre E-Mail-Adresse für die Zusendung des Newsletters. Wir geben Ihre E-Mail-Adresse garantiert nicht an Dritte weiter. Jederzeit abbestellbar durch einen Link im Newsletter.

Weitere Artikel zum Thema

Bildbearbeitung & Digitalfotografie

Die besten Tipps per E-Mail

  • Photoshop-Tutorials
  • Digitalfotografie-Tipps
  • regelmäßig & kostenlos
DDV Ehrencodex E-Mail-Marketing
  • Wir benötigen Ihre E-Mail-Adresse für die Zusendung des Newsletters.
  • Wir geben Ihre E-Mail-Adresse garantiert nicht an Dritte weiter.
  • Jederzeit abbestellbar durch einen Link im Newsletter.

Unsere Datenschutzgarantie:

Wir benötigen Ihre E-Mail-Adresse für die Zusendung des Newsletters. Wir geben Ihre E-Mail-Adresse garantiert nicht an Dritte weiter. Jederzeit abbestellbar durch einen Link im Newsletter.

Unsere Experten

Rudolf Ring twittert für @Computerwissen

Die von Ihnen eingegebene E-Mail Adresse ist nicht korrekt. Bitte korrgieren Sie Ihre Eingabe und klicken Sie auf "OK":

Bitte wählen Sie mindestens einen Newsletter aus und klicken Sie auf "OK"