Die Porträtfotografie

19. Oktober 2012

Um gute Porträts zu machen, ist oft kein großer technischer Aufwand nötig. Sie können auch mit einfachen Mitteln ohne tolles Fotostudio gute Ergebnisse erzielen. 

Porträtaufnahmen sind fast so alt wie die Fotografie selbst. Früher saßen die Menschen Malern Modell, denn schon immer war es ihnen ein Bedürfnis, Bilder von sich und ihren Lieben um sich zu haben. Solche Bilder zu besitzen war, bei Gemälden ebenso wie in den Anfängen der Fotografie, ein Privileg des Adels und der Reichen, heutzutage füllen Fotos der Familie Wände und Schränke. Von jeher ist die Porträtfotografie das vielleicht aussagestärkste Genre. Menschen schauen sich offensichtlich gerne andere Menschen an und bilden sich anhand von Fotos eine Meinung über den jeweiligen Menschen.

Auch wenn Sie sich bisher nicht mit der Personenfotografie beschäftigt haben, werden Sie gewollt oder ungewollt bald damit in Berührung kommen. Entweder trauen Sie sich aus Neugier an dieses Genre oder man wird Sie ansprechen, je öfter man Sie mit der Kamera antrifft. Was dabei zu beachten ist, wenn die Frage: „Kannst Du nicht auch einmal Fotos von mir machen?“ auftaucht, erfahren Sie in diesem Kapitel.

Im Gegensatz zu berühmten Porträtfotografen wie Jeanloup Sieff, Helmut Newton und Bill Brandt, um nur einige zu nennen, haben Sie nicht die Möglichkeit, in einem großen Studio mit aufwändigen Blitzanlagen Top-Modelle zu fotografieren. Aber wie schon gesagt, in Ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis werden sich mehr Modelle finden, als Ihnen vielleicht recht ist.

Wir werden im nachfolgenden Text bei der zu porträtierenden Person immer vom Modell sprechen, egal ob es sich dabei um Tante Paula, das Foto eines Babys oder tatsächlich um ein weibliches oder männliches Modell handelt.

Outdoor und „on Location“

Das Wichtigste technischer Natur bei der Porträtfotografie ist das Licht. Die meisten Lichtsituationen im Studio lassen sich auch ebenso gut mit Tageslicht umsetzen.

Bis auf das Wetterrisiko werden bei Tageslicht beziehungsweise natürlichem Licht aufgenommene Porträts immer am schönsten. Regen macht zum Beispiel ein wunderbares weiches Licht, auch wenn Kamera und Modell dabei geschützt werden müssen. Für Porträts eignet sich ein bewölkter Himmel wesentlich besser als strahlender Sonnenschein. Das gedämpfte Licht schmeichelt den Hauttönen und lässt das Gesicht zart und weich erscheinen. Bei diesem Licht sind zwar keine satten, knackigen Farben zu erreichen, aber zauberhafte Pastelltöne. Stimmen Sie die Kleidung und das Makeup des Modells auf die Lichtsituation ab, knallige Farben bei der Oberbekleidung oder grelles Make-up würden das zarte Bild nur stören.

Wenn die Lichtverhältnisse an bedeckten Tagen zu schlecht sind, kann auch der Aufsteckblitz oder ein Reflektor helfen, das Foto zu verbessern. Blitzen Sie jedoch das Modell nie direkt an, es darf nur indirekt geblitzt werden und eine Softbox für den Blitz verbessert hier die Wirkung. Reflektoren mit verschiedenfarbigen Lichtfolien sind heute schon recht günstig zu erwerben, hier können Sie sich aber zunächst auch mit „Bordmitteln“ behelfen.

Ein bewölkter Himmel ist stets von Vorteil, insbesondere wenn Sie gezwungen sind, am Mittag zu fotografieren. Dann steht die Sonne besonders hoch und das Licht ist hart und wirft auch harte Schatten auf das Gesicht. Hier ist es besser, in den Schatten zu gehen und einen Reflektor für indirektes Licht oder den Aufhellblitz zu verwenden. Versuchen Sie also, sofern es möglich ist, die Aufnahmen für den Morgen oder den späten Nachmittag zu planen. Die Sonne steht niedriger und auch die Lichtemperatur kommt den Hauttönen besser entgegen.

Vermeiden Sie unbedingt, dass Ihr Modell direkt in die Sonne schaut, Sie also die Sonne im Rücken haben. Für den Fotografen ist es zwar einfacher so, das Licht in den Griff zu bekommen, jedoch wird das Modell sehr kleine Augen haben, ständig blinzeln und auch bald ermüden. An solchen Fotos werden Sie keine Freude haben, denn die größte Wirkung geht bei Porträts von den Augen aus, sie sollten möglichst groß und entspannt in die Kamera blicken und den direkten Blick zum Betrachter haben. Bei Gegenlichtsituationen spielt Ihnen auch der Belichtungsmesser gerne einen Streich. Versuchen Sie, einen neutralen Grauwert auf der Kleidung zu finden und speichern Sie den Messwert, damit die Kamera nicht unterbelichtet. Natürlich können Sie auch hier eine Belichtungsreihe machen und sollten die Aufnahmen auch am Display der Kamera überprüfen.

Indoor und im Studio

Bei dem Lichtaufbau im Studio oder Indoor-Aufnahmen kann man keine Verallgemeinerungen treffen, denn es gibt kein Patentrezept oder genau „den“ Lichtaufbau: Von „Available Light“ (vorhandenem Licht) über den Kamerablitz, Baustrahler bis hin zu komplexen Aufbauten mit vier oder fünf Lichtquellen und deren vielfältigen Vorsätzen ist alles denkbar und machbar. Gerade beim Porträt ist das Arbeiten mit vorhandenem Licht besonders beliebt. Grundsätzlich kann man festhalten, dass im Studio drei Lichtquellen, von denen zwei den Hintergrund beleuchten, sinnvoll sind. Bei der Verwendung von nur einer Lichtquelle kann zusätzlich ein Reflektor eingesetzt werden.

Beim Porträt ist Licht von oben besonders empfehlenswert, da so der Blick des Betrachters allein schon durch das Licht auf das Gesicht des Modells gelenkt wird. Das Licht nimmt nach unten ab, je nach Stand der Lichtquelle kann es daher Wenn die Sonne seitlich auf das Modell fällt, taucht sie zumeist eine Gesichthälfte in den Schatten. Dies hat den Effekt, dass das Porträt zwar plastischer erscheint, aber leider auch das sich Hautstruktur, Hautunreinheiten und Falten deutlicher abzeichnen. Bei einem harten, in Schwarz/Weiß gehaltenem Männerporträt kann dies eine sehr gute Wirkung haben, bei einem zarten Frauen- oder Kinderporträt werden Sie diesen Effekt jedoch unbedingt vermeiden wollen. Mit einem Diffuser, der zumeist als Basis in Reflektoren-Sets enthalten ist, lässt sich dieser Effekt durch eine höhere Streuung des Lichts deutlich abmildern.

Eine schöne Alternative für Aufnahmen im Freien bei tief stehender Sonne ist auch das Gegenlicht. Es fällt von vorne kein Licht auf das Modell, das Gesicht wird lediglich durch das reflektierende Umgebungslicht oder durch einen Reflektor ausgeleuchtet. Achten Sie hierbei darauf, dass das Modell die Sonne komplett verdeckt und diese nicht im Bild ist. So ergeben sich keine Probleme mit Linsenreflexionen und Sonnenstrahlen, die durch die Haare des Modells schimmern, Sie geben dem Foto seinen ganz eigenen Charme. wird. In der Regel sollte der Fokus hier auf den Augen des Modells liegen, manchmal auch nur auf einem Auge.

Dazu ist es notwendig, absolut genau zu arbeiten, damit der Fokus nicht verrutscht und so das ganze Bild unscharf wirkt. Benutzen Sie die Abblendtaste Ihrer Kamera, um den Fokus zu überprüfen, kontrollieren Sie das Bild am Display und vergrößern Sie es dabei unbedingt, da sich die Schärfenlage sonst wegen der meist unzureichenden Abbildungsqualität der Kameradisplays nicht kontrollieren lässt. Wenn Sie drinnen arbeiten und die Möglichkeit dazu haben, ist es noch besser, die Arbeit direkt am Monitor zu überprüfen. Eine lange Brennweite ab 200 mm Kleinbild bietet in Verbindung mit einer großen Blende sehr gute Möglichkeiten, den Körper in der Unschärfe eintauchen zu lassen. Mit der Brennweite kontrollieren Sie auch die Perspektive. Kurze Brennweiten lassen den Hintergrund optisch größer und dominanter erscheinen, lange Brennweiten reduzieren den Bildinhalt auf das Wesentliche. Grundsätzlich stellt jedoch die Nähe zum notwendig sein, von unten mit einem Aufheller zu arbeiten. Dafür ist beispielsweise weißer Karton oder ein Reflektor geeignet. Zumeist wirken Augen ohne Reflexe tot. Wenn das nicht im Sinne Ihres Sujets ist, bringt der Aufheller hier auch die Reflexe und vermeidet Schatten unter der Nase.

Seitenlicht lässt das Modell plastischer erscheinen, verstärkt aber auch, genau wie das Licht im Freien, die Oberflächenstruktur der Haut. Dabei entstehen ausgeprägte Schatten, die als Effekt, wenn nur eine Gesichtshälfte im Licht liegt, eine dramatische Wirkung erzielen. Die Lichtquelle muss hierbei zwischen Kamera und Modell positioniert werden, wobei der Abstand zwischen Licht und Modell die Länge und Härte der Schatten bestimmt.

Auch eine Ausleuchtung von unten bringt eine besondere Dramatik in das Foto. Hier müssen Sie jedoch sehr sorgfältig arbeiten und die Schatten auf dem Display immer wieder kontrollieren. Frontales, direktes Licht ist unbedingt zu vermeiden, es sei denn, es handelt sich um einen beabsichtigten Aufhellblitz. Licht von vorne führt in der Regel zu sehr heller, kalkiger Haut ohne Zeichnung, aber auch zu störenden Reflexen mit Überbelichtungen einzelner Hautpartien.

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