Ich möcht’ zurück auf die Straße ...

26. Oktober 2009
Torsten Kieslich Von Torsten Kieslich, Bildbearbeitung ...

Während ich arbeite, höre ich gern Musik, im Moment läuft gerade der Song „Mit 18“ von Marius Müller-Westernhagen. Hier bringt er sein Lebensgefühl mit der Textzeile „Ich möcht’ zurück auf die Straße ...“ zum Ausdruck. So etwas Ähnliches müssen sich wohl Adobe, HP, Nikon, Nik Software, Wacom und X-Rite gedacht haben – sie sind zur europaweiten Roadshow „The Creative Alliance Tour“ gestartet

So eine Roadshow, das ist so ein bisschen Rock’n’Roll für Unternehmen – hier werden hochkarätige Referenten auf ein wissbegieriges Publikum losgelassen und liefern eine mehrstündige Show ab. Und wie bei Rock’n’Roll gehört hier auch ein cooler Veranstaltungsort dazu und natürlich – seufz – der Eintrittspreis. Denn, so weiß auch Herr Müller-Westernhagen: „Gold findet man bekanntlich im Dreck – und Straßen sind aus Dreck gebaut“. Dass auch die Veranstalter der „Creative Alliance Tour“ diese alte Musikerweisheit beherzigt haben und etwas mehr verdienen wollten als „400 Mark pro Auftritt“ belegt der nicht ganz kleine Eintrittspreis von immerhin 83,24 Euro (incl. Mehrwertsteuer).

Da stellt sich dem wissenshungrigen Fotografen natürlich die Frage, ob sich die Ausgabe wohl lohnt. Auch ich war neugierig und so meldete ich mich für die Veranstaltung in Düsseldorf am 22. Oktober an. Die Liste der Vorträge der immerhin auf gut 8 Stunden angesetzten Veranstaltung las sich gut und ich wurde auch nicht skeptisch, als ich auf meine Anfrage nach einer Presseakkreditierung keine Antwort erhielt.

Gut, man darf vermutlich heute von einer Veranstaltung, die für etwa 100 Gäste konzipiert ist, auch nicht mehr erwarten, dass es auch Parkplätze gibt – so ein kleiner 10-Minuten-Spaziergang tut ja auch gut und – hey – es ist ja alles Rock’n’Roll.

Der Veranstaltungsort selbst war für ein Fotostudio beeindruckend – groß und mit sehr hohen Wänden, einer wunderhübschen, später nicht mehr ganz so weißen Hohlkehle – dazu recht minimalistisch mit einigen Stuhlreihen, wenigen Stehtischen und einer den dezenten Charme einer improvisierten Schulausstellung versprühenden Tischformation in U-Form ausgestattet. Diese diente als Standort für die Pappbecher der aus Thermoskannen bestehenden Kaffeetheke, als Ablage einiger Prospekte, eines etwas einsam aussehenden Druckers und eines Grafiktabletts. Letztere Gerätschaften – und wohl auch die Prospekte – waren die Ausstellungsfläche der beteiligten Unternehmen.

Nun ja, so eine Roadshow ist ja, wie gesagt, Rock’n’Roll, da muss man nicht in aufwendigem Stil Produkte präsentieren. Schließlich sollen sich die Besucher ja auch die Vorträge konzentrieren. Es wäre natürlich schön gewesen, etwas mehr von den veranstaltenden Firmen zu sehen, aber vermutlich folgt das Ganze einem psychologisch präzise ausgetüftelten Konzept einer wichtigen und hochspezialisierten Agentur. Dort arbeitet nämlich ein „engagiertes Team junger Profis, die sich ihre Sporen mit der Organisation großer und mittelgroßer (oft auch mehrtätiger) Events im In- und Ausland reichlich verdient haben“. Aha, es ist also keine Merkwürdigkeit, wenn beispielsweise von Nikon außer den Kameras eines Referenten und eines fotografierenden Herren im Nikon-Shirt nichts zu sehen war. Immerhin, Wacom und HP waren ja vor Ort.

Auch der pappgebecherte Thermos-Kaffee – richtige Tassen sind nichts für Rock’n’ Roll – und die zum Mittagessen gereichten Sandwiches auf Papptablett weisen den Gast mit 90-Euro-Ansprüchen schnell auf das Wesentliche hin: die Vorträge.

Und wirklich, so skeptisch, wie ich war, als ich den Veranstaltungsort betrat, so begeistert war ich doch, als der erste Vortrag ein „inspirativer Vortrag“ über Stock-Fotografie „von Profi zu Profi“ anfing. Gelernt habe ich dabei einiges: Der Referent macht tolle Fotos, vermutlich die weltweit besten und ich muss zum Fotografieren nach Kapstadt. Gut, das war jetzt nicht so viel über Stockfotografie, aber doch ganz informativ – auch wenn ich glaube, dass diese Information auch in etwas weniger als eine Stunde gepasst hätte.

Gelernt habe ich auch, dass man heutzutage nicht mehr vor der Veranstaltung den Beamer auf den genutzten Rechner abstimmt und lieber vor Publikum feststellt, dass die Fotos nicht richtig wiedergegeben werden. Und man kann heute auch als Profi durchaus zugeben, dass man die technischen Feinheiten seiner D3x nicht wirklich kennt.

Nach diesem ersten Vortrag revidierte ich ganz vorsichtig meine Meinung, dass eine solche Roadshow, offiziell mit „for professional photographers“ untertitelt, auch nur im Entferntesten dazu gedacht sein könnte, für die beteiligten Unternehmen zu werben. Damit war dann auch klar, warum die Veranstalter so zurückhaltend in Erscheinung getreten waren.

Einen Kaffeebecher später ging es für die etwa 60 bis 70 Besucher und mich weiter und endlich nahm die Veranstaltung Fahrt auf. Rückblickend kann man wohl den ersten Referenten als Vorgruppe bezeichnen, doch nun betrat die Band in Gestalt von Michael Benecke von HP die Bühne. Er hatte einige interessante Punkte zur Kalibrierung zu berichten. Auch das Publikum wurde wacher und hatte einige Zwischenfragen. Das heißt, ich vermute, dass es Zwischenfragen waren, denn verstehen konnte ich nicht wirklich, was da vier oder fünf Reihen hinter mir geäußert wurde. Die Hostessen der Agentur übten sich noch in der Welt des Rock’n’Roll – da geht man mit der Weitergabe von Mikrofonen an Nicht-Musiker vorsichtig um.

Michael Claushallmann ging in seinem Vortrag noch etwas weiter und beleuchtete das Thema RAW-Fotografie und die Nutzug von Lightroom. Noch einmal eine Steigerung, bis schließlich Robin Preston mit seinem wirklich unterhaltsamen und praxisorientierten Fotoworkflow auftrat. Den studierten Illustrator Preston, der nicht nur einer der führenden Fotografen ist, sondern auch Beta-Tester für Adobe und Wacom-Evangelist, kann man durchaus mit Scott Kelby vergleichen – er ist witzig und pointiert, hat aber dabei – das unterscheidet ihn dann doch von Kelby – den Blick immer auf die schnelle praktische Umsetzbarkeit der Photoshop-Arbeit gerichtet. Ganz en passant erklärte er die Vorzüge von Grafiktabletts und stellte seine Lieblingskameras vor. Ich jedenfalls konnte wieder mit einer ganzen Tüte Tipps aus seiner Präsentation nach Hause gehen. Abgerundet wurde die Veranstaltung dann noch von einer etwas ruhigeren Nummer – Thomas Gerwers las ein paar Präsentationsfolien über die Zukunft der professionellen Fotografie vor und erklärte den Anwesenden – habe ich erwähnt, dass die Veranstaltung auch mit „for professional photographers“ betitelt war? – dass sich der Markt und die Ansprüche ändern und zukünftig beispielsweise auch Video auf der Wunschliste der Auftraggeber steht.

Hat sich also diese Veranstaltung gelohnt? Die Antwort darauf muss wohl „trotzdem“ lauten. Die anwesenden Unternehmensvertreter, etwa von Wacom oder X-Rite – endlich habe ich verstanden, was das ColorMunki alles kann - erwiesen sich als sehr zugänglich und auch bei dummen Fragen als erklärbereit, die Inhalte der Vorträge waren in der Mehrzahl wirklich gut und außerdem gilt auch hier die alte Weisheit von Herrn Müller-Westernhagen „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ – und Pfefferminz in Gestalt erstklassiger Referenten gab es reichlich ... (tok)

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