Fotos: Aus analog mach digital

14. Februar 2016

Um analoge Fotos optimal zu digitalisieren braucht es Hard- und Software

Wer alte Fotos nicht nur für immer sichern, sondern auch restaurieren will, sollte sie digitalisieren – keine schwere Sache.

1996, Frühling in Paris… wow, sahen die Klassenkameraden noch jung aus. Oder hier, Silvester 1999, die Millenniumsfeier in der Stadt mit dem riesigen Feuerwerk… Wer tief in Nostalgie versunken durch Fotoalben blättert, hat oft nicht im Blick, dass das, was gerade auf dem Schoß liegt, nur von kurzer Haltbarkeit ist: Entwickelte Fotos sind Ergebnis chemischer Prozesse. Die Farben, das Papier, all das ist anfällig für den "Zahn der Zeit". Das betrifft vor allem Fotos, die als Massenprozess ohne Bearbeitungen von der Rolle entwickelt wurden. Doch grundsätzlich läuft jedes Foto Gefahr, zu verblassen, mehr über die Gründe dafür lesen Sie hier. Das betrifft ganz besonders Bilder an der Wand: Je sonniger es dort ist, desto mehr werden die Farben mit UV-Strahlung bombardiert. Diese zerstört die Pigmente und lässt Fotos mit der Zeit blass und kontrastarm wirken. Und nicht nur die Sonne ist der Übeltäter, denn auch Kunstlicht enthält einen UV-Anteil. Und auch wenn die Bilder im vermeintlich sicheren Fotoalbum im Schrank stehen, sind sie nicht vor Alterungsprozessen geschützt: Sauerstoff ist auch für Oxidationsprozesse verantwortlich, die ebenfalls über ein Foto zerstören können. Wer seine analogen Bilder nicht nur konservieren, sondern für einen langen Zeitraum bewahren will, kommt nicht ums Digitalisieren herum. Das Gute dabei: Dank moderner Bildbearbeitungsprogramme lassen sich auch solche Fotos retten, die bereits angegriffen sind. Im Folgenden daher ein Tutorial, wie das erreicht werden kann, ohne Unsummen für Equipment auszugeben.

1. Fotos präparieren

Im ersten Schritt müssen die Fotos vorbereitet werden. Das bedeutet: Reinigung. Hierzu werden Baumwoll- oder Gummihandschuhe benötigt, damit das Foto ohne Fingerabdrücke aus Album oder Rahmen entfernt werden kann. Dann müssen die einzelnen Bilder gereinigt werden. Hat sich nach Jahren einfach nur eine Staubschicht angesammelt, kann diese mit dem Inhalt einer Druckluftdose vorsichtig weggeblasen werden. Alternativ kann auch ein antistatischer Pinsel als Besen fungieren, der die Staubflocken wegfegt. Tipp: Wenn die Fotos gestapelt in der Schublade lagen und aneinander kleben, können sie vorsichtig mit einem Stück Zahnseide oder dünner Angelschnur getrennt werden.

Lagen die Fotos auf einem Stapel, können sie zusammenkleben und müssen vorsichtig getrennt werden.

Beim Hantieren mit Fotos sollten Handschuhe getragen werden, um Fingerabdrücke zu vermeiden.

Schwieriger wird es, wenn die Fotos bereits Fingerabdrücke aufweisen oder in einem Raucherhaushalt hingen. Dann muss eine hartnäckige Schmutz- und Nikotinschicht entfernt werden. Das Problem: In keinem Fall darf diesem Dreck mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln zu Leibe gerückt werden. Das könnte das Foto beschädigen oder gar zerstören. Daher sollte das Bild vorsichtig und ohne viel Kraft mit einem feuchten, fusselfreien Tuch abgerieben werden, bis keine Rückstände mehr zu sehen sind. Sollte auch diese Prozedur nicht helfen, muss im Fachhandel spezielle Reinigungsemulsion gekauft werden. Allerdings: Mit der richtigen Vorgehensweise lassen sich laut Photoindustrie-Verband sogar Bilder reinigen, die Opfer eines Hochwassers wurden - Rettung ist also fast immer möglich.

Sind die Fotos alle sauber, sollten sie nebeneinander gelegt werden, sodass sie nicht erneut zusammenkleben. Im Idealfall folgt der nächste Schritt unmittelbar auf die Reinigung.

2. Fotos digitalisieren

Hier kommt es darauf an, ob ein Scanner zur Verfügung steht oder nicht. Ein günstiger Scanner ist im Elektronikdiscounter schon für rund 50 Euro zu haben. Wichtig ist allerdings, auf die scanbare Pixeldichte, angegeben in DPI (Dots per inch = Bildpunkte pro Quadratzoll) zu achten. Muss das digitale Foto nicht größer sein als das Original, reichen bei normalformatigen Bildern laut myposter.de 300 bis 400 DPI Auflösung. Wer hingegen eine große Festplatte hat und nicht auf die Dateigröße achten muss, kann natürlich auch ein Gerät mit einer Auflösung jenseits von 600 DPI wählen: Je höher dieser Wert, desto größer lassen sich die digitalisierten Fotos später ausdrucken.

Mittels Scanner können Fotos so scharf digitalisiert werden, dass sie sich später um ein Vielfaches größer ausdrucken lassen.

Sollen die Fotos per Scanner digitalisiert werden, reicht es nun sicherzustellen, dass dessen Glasplatte sauber ist und die Fotos gerade ausgerichtet sind – späteres Drehen am PC verringert die Bildqualität. Und dann kann der Prozess beginnen. Wichtig ist nur, dass auch hier die Fotos mit Handschuhen berührt werden, damit die Reinigungsarbeit nicht vergeblich war. Am besten werden alle Fotos in einen digitalen Ordner gepackt und nach der Reihenfolge des Scannens nummeriert.

Mit einer hochwertigen Kamera und passender Beleuchtung kann ein analoges Foto auch passend abfotografiert werden.

Wer keinen Scanner besitzt aber eine hochwertige Digitalkamera, kann die Bilder auch abfotografieren. Dafür werden neben der Kamera ein Stativ sowie zwei Lampen mit neutralfarbenen Glühbirnen benötigt. Für ein optimales Ergebnis werden alle anderen Lichtquellen ausgeschlossen. Das Foto auf eine neutrale Oberfläche legen (ein Blatt weißes Papier reicht völlig). Dann die Lampen links und rechts positionieren, dass sie das gesamte Bild gleichmäßig ausleuchten. Nun die Kamera mit dem Stativ genau senkrecht über dem Bild positionieren.

Dabei muss per Blick durch den Sucher oder aufs Display sichergestellt werden, dass das Bild gerade ausgerichtet ist und dass die Lampen weder Reflexionen, noch Schatten produzieren. Am besten wird so weit herangezoomt, dass das Foto bis auf einen schmalen Rand das gesamte Bild ausfüllt. Dann wird ein Maximum an Qualität erzielt. Nun kann das Fotografieren beginnen. Dabei sollte jedes Bild in der Vorschau auf Fehler kontrolliert werden, damit nicht am Ende mehrere Arbeitsschritte wiederholt werden müssen.

3. Fotos bearbeiten

Geschafft – zumindest teilweise. An diesem Punkt befinden sich die Fotos in digitaler Form auf dem PC und sind damit erst einmal vor weiterem Verfall sicher. Die digitalisierten Bilder präsentieren sich auf dem PC nun so, wie sie gescannt bzw. fotografiert wurden. Das bedeutet, waren sie bereits verblasst oder anderweitig beschädigt, müssen sie nun restauriert werden. Aber auch wenn sie noch schön anzusehen waren, kann dennoch mit Bildbearbeitung noch etwas mehr herausgeholt werden.

Links: So wurde das Bild gescannt. Ein leichter Grünstich, schwache Kontraste und wenig knackige Details. Mit Bildbearbeitung wurde daraus das rechte Bild.

Wer auf seinem Rechner über eine Version von Adobe’s Alleskönner Photoshop verfügt, kann gleich mit der Arbeit beginnen. Wer das Geld für dieses Profi-Programm nicht ausgeben möchte, sollte sich die ähnlich funktionierende Open-Source-Software GIMP herunterladen. Sowohl für Photoshop als auch GIMP haben wir hier und hier bereits einige Tipps und Tricks erstellt.

  • Zuerst sollte der Weißabgleich angepasst werden, damit sich die Farben so neutral wie möglich präsentieren. Dies ist über Schaltflächen möglich. Wurden die Bilder abfotografiert, sollten sie nun freigestellt werden, damit kein Rand mehr übrig ist.
  • Der nächste Schritt besteht darin, verblasste Farben wieder zu rekonstruieren. Dies geht über die Schaltflächen Farbton bzw. Sättigung sowie gegebenenfalls Farbbalance. Werden diese Schritte richtig ausgeführt, sieht das Bild anschließend von den Farben her mindestens wieder wie das Original aus. Hatte das Foto jedoch bereits bei der Aufnahme einen Farbstich, kann dieser ebenfalls über den Weißabgleich bzw. die Farbbalance neutralisiert werden.
  • Nun können die auf Blitz-Fotos, meist unvermeidlichen roten Augen entfernt werden. Dazu reicht es, das Pinsel-Tool auf die Größe der Pupille einzustellen, und diese mit einem blau/schwarzen Farbton zu übermalen.
  • Anschließend kann das Foto noch nachgeschärft werden. Das hilft vor allem, wenn einzelne Objekte nicht ganz im Fokus lagen.

Sofern keine sonstigen Schäden auf dem Foto waren, kann das Bild nun abgespeichert werden.

Der 90er-Jahre Selfie mit der analogen Kamera: Links überbelichtet und dank des Blitzes mit roten Augen. Rechts eingescannt und bearbeitet.

Allerdings: Auch Daten auf einer Festplatte halten nicht ewig. Wer seine Bilder wirklich schützen und vielleicht auch von mehreren Geräten aus Zugriff haben möchte, für den könnte sich ein Cloud-Speicherplatz anbieten. Hier werden die Fotos im Web gespeichert und zwar so, dass nur bestimmte Personen darauf Zugriff haben. Damit sind die Fotos auch dann sicher, wenn der eigene PC crashen sollte und die mühsam restaurierten Bilder sich nicht mehr rekonstruieren lassen.

Falls jedoch das analoge Foto bereits Risse, Flecken oder andere Beschädigungen beim Scannen/Fotografieren aufwies, können diese ebenfalls mit den genannten Programmen retuschiert werden. Bei Photoshop geht dies am einfachsten mit dem Stempel-Tool sowie mit dem Bereichsreparatur-Pinsel und dem Ausbessern-Werkzeug. All diese Optionen erlauben es, auf beschädigte Bereiche benachbarte Elemente zu kopieren und sie somit unsichtbar zu machen. Optimal ausgeführt und je nach Schaden nimmt das freilich mehrere Stunden in Anspruch, kann aber sogar Risse und ganze Brandlöcher ungeschehen machen.

4. Neu ausdrucken und Altmaterial sichern

Der letzte Schritt ist optional: Sind die Bilder bearbeitet, können sie nun ausgedruckt werden. Dies geschieht auf passendem Fotopapier und mit den höchsten Druckeinstellungen. Wer das nicht möchte, kann die Bilder natürlich auch auf einen USB-Stick kopieren und damit im Geschäft den Druck in Auftrag geben. Mittlerweile existieren übrigens laut Kölnischer Rundschau auch Bilderrahmen, die UV-Strahlung herausfiltern können.
Sollen die alten Original-Fotos nicht wieder an ihren Platz in Rahmen oder Album, sollten sie nun geschützt gelagert werden. Das bedeutet, im Idealfall werden alle Bilder voneinander getrennt (damit sie nicht verkleben) und in der Dunkelheit sowie bei maximal reduzierter Luftfeuchtigkeit und geringer Temperatur gelagert. Ein gut verschlossener Karton im Keller bietet sich dafür an.

In gleicher Weise lassen sich natürlich auch alte Polaroids digitalisieren. Wer den markanten Rand behalten will, kann ihn einfach passend digital beschneiden.

Fazit

Wer seine alten analogen Fotos in maximaler Qualität erhalten möchte, sollte sie am besten Einscannen. Dann nämlich können die Originale in einer sicheren Umgebung die kommenden Jahre überdauern. Was im Rahmen an der Wand oder im Album im Regal landet, kann dann nicht nur mit entsprechender Bildbearbeitungssoftware optimiert, sondern auch noch größer und hochwertiger ausgedruckt werden. Vor allem ist dann sichergestellt, dass die Aufnahme von Klassenfahrten, Feiern oder Freunden noch in vielen Jahren auf allen Medien, die noch zu entwickeln sind, angeschaut werden können – ohne jeglichen Qualitätsverlust.

 

 

Bildquellen

1) condesign (CC0-Lizenz) © pixabay.com
2) jarmoluk (CC0-Lizenz) © pixabay.com
3) HL © fotolia.com
4) LoloStock © fotolia.com
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6) Christian Bieri © fotolia.com
7) aletuzzi (CC0-Lizenz) © pixabay.com
8) Wokandapix (CC0-Lizenz) © pixabay.com

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