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Digitalisierung analoger Medien: So sichern Sie alte Videos, Fotos, Musik oder Kontakte

Erinnerungen digital aufbewahren

Die Digitalisierung durchdringt immer mehr Lebensbereiche und nicht mehr nur in Unternehmen und Büros wird der Wandel immer deutlicher. Das Internet und die modernen Technologie haben die Lebensweise verändert und dieser Revolution fallen nun viele alte Dinge und Prozesse zum Opfer.

Auch im Privaten geht es ohne Digitalisierung fast nicht mehr. Zumindest nicht, wenn Relikte aus analogen Zeiten in die neue, digitale Welt transportiert und insbesondere gesichert werden sollen.

Diese Medien und Dateien sind bedroht

30 Milliarden Papierfotos kursieren in deutschen Haushalten, doch mit der Zeit verblassen diese in den Alben und Kartons und können Schaden nehmen. Gleiches gilt für Dias. Die Technik, um Dias über einen Projektor anzusehen, ist nahezu vollständig verschwunden und auch für Schallplatten und CDs wird der Markt immer kleiner.

Videokassetten oder Super 8-Filme spielen ebenfalls keine Rolle mehr, wenn es um das Aufnehmen und Wiedergeben von Filmen geht. Sie sind wie auch CDs anfällig dafür, nach 20 bis 30 Jahren nicht mehr abgespielt werden zu können. Alles was im 20. Jahrhundert zunächst zur Revolution erklärt wurde, erlischt nun nach und nach und ein neues Zeitalter hat beim Thema Medien längst begonnen.

Um die Dokumente und Zeugnisse aus dieser Zeit aber dennoch zu konservieren, ist es nötig sie zu digitalisieren. Dies gilt nicht nur für Medien, sondern lässt sich auch auf andere analoge Objekte übertragen. Visitenkarten oder Stempel beispielsweise waren lange Zeit aus der Bürowelt nicht wegzudenken und werden nun aber auch von neuen Möglichkeiten ergänzt oder abgelöst. All diese Dinge zu digitalisieren ist möglich und das Ergebnis eröffnet Ihnen zum Teil ganz neue Möglichkeiten.

Wir verraten Ihnen, wie die Digitalisierung Ihrer alten Schätze gelingt und wie Sie von den jeweiligen Ergebnissen sogar noch profitieren können. Schließlich bedeutet die digitale Transformation nicht bloß eine generelle Umwandlung, sondern führt auch in vielen Bereichen eine Verbesserung herbei, da sie neue Möglichkeiten eröffnet.

Videokassetten digitalisieren: Dienstleister nutzen oder in Eigenregie?

In den 1980er und 1990er Jahren hatte wohl fast jeder deutsche Haushalt einen Videorekorder, mit dem VHS-Kassetten wiedergegeben werden konnten. Dieses analoge Aufzeichnungs- und Wiedergabesystem basierte auf Magnetbändern, VHS stand dabei für Video Home System. Auf diesen Kassetten von früher befinden sich Videos von Urlauben, von Familienfeiern, von Kindheitserinnerungen und von Ausflügen. Um diese Erinnerungen für die Zukunft zu sichern und sie auch ohne Videorekorder abrufbar zu machen, können sie digitalisiert werden.

Videokassetten digitalisieren lassen

Am Leichtesten ist es, die alten Videobänder zu einem Dienstleister zu bringen und ihn die Digitalisierung übernehmen zu lassen. Sie bekommen dann anschließend eine DVD ausgehändigt, auf dem sich Ihr Material befindet, das Sie dann auf Ihren PC überspielen können. Die Kosten belaufen sich pro Kassette auf 7 bis 10 Euro, andere Anbieter rechnen pro Spieldauer ab und nehmen im Schnitt ab 0,10 Euro pro Videominute. Bei vielen Stunden Material reduzieren sich die Kosten häufig noch etwas. Sowohl Online als auch im stationären Handel gibt es Dienstleister, denen die Kassette zum Zweck der Digitalisierung ausgehändigt werden muss. Dies spart Ihnen viel Zeit und zudem das Einarbeiten in die recht komplexe Technik, die anfällig ist für Fehler.

Videokassetten dank Digitizer selber digitalisieren

Für das Digitalisieren von Videokassetten benötigen Sie zwei Geräte:

  • Einen Videorekorder
  • Einen Video Grabber bzw. Digitizer

Schon ab 10 Euro können Sie einen Digitizer inklusive Software kaufen. Die beiden Geräte müssen über ein Scartkabel miteinander verbunden werden. Der Digitizer wird per USB-Anschluss dann an den Computer angeschlossen.

Die Software des Digitizers läuft über den PC und erledigt das Überspielen der VHS-Kassette im besten Fall an einem Stück. Dabei wird Reibung erzeugt, wodurch sich die Magnetschicht des Videobandes lösen kann. Verzichten Sie daher darauf, die Kassette für das Überspielen mehrfach zurückzuspulen und wieder neu anzusetzen, denn das kann Ihre alten Videos in Gefahr bringen.

Das Video wird in eine AVI-Datei umgewandelt, die Sie dann in das MPEG-Format umwandeln können. So gehen Sie sicher, dass die Datei auch universell abgespielt werden kann. Auch lassen sich Dateien in diesem Format gut bearbeiten:

  • Es können einzelne Kapitel erstellt werden
  • Teile aus dem Video können herausgeschnitten werden
  • Tonfehler lassen sich korrigieren
  • Kontrast und Helligkeit des Bildes lässt sich noch verbessern
  • Die gesamte Qualität lässt sich verbessern
  • Der Film kann anschließend vervielfältigt und gesichert werden

Die Nachbearbeitung bei digitalisierten VHS-Kassetten ist der Grund, weshalb Sie eine Digitalisierung durch den Fachmann in Betracht ziehen sollten. Auf zwei Stunden VHS-Material kommen bei der eigenhändigen Digitalisierung locker fünf Stunden Arbeit.

Videokassetten abfilmen

Die Alternative zur Digitalisierung via Digitizer ist das Abfilmen von alten Videos. Dies geht mit einem digitalen Camcorder oder via Smartphone, allerdings ist insbesondere die Tonqualität dabei nicht wirklich gut, da der Ton nur über das Smartphone- oder Camcorder-Mikrofon übernommen wird. Auch muss der Raum komplett abgedunkelt sein und der Camcorder oder das Smartphone sollten auf einem Stativ stehen, um den abgespielten Film dann im besten Fall von einer Leinwand abzufilmen.

Mit einem VHS-DVD-Kombigerät lässt sich das Abfilmen ebenfalls erledigen. Das eingelegte Videoband wird dabei automatisch auf eine DVD überspielt. Die Geräte kosten zwischen 120 und 200 Euro.

Super 8 Filme digitalisieren

Das Schmalfilm-Filmformat Super 8 gibt es seit 1965 und war der Vorläufer von VHS-Kassetten. Menschen, die noch Super 8 Filme auf dem Dachboden oder im Keller haben, sollten diese schleunigst digitalisieren, um das Fortbestehen des Filmmaterials zu sichern. Wie auch bei VHS-Kassetten können Sie das Digitalisieren einem Profi überlassen oder es selber in die Hand nehmen. Die Preise für das Digitalisieren von Super 8 Filmen sind höher als bei VHS-Kassetten und beginnen bei 0,60 Euro pro Minute oder mehr.

Um die Super 8 Filme selber zu digitalisieren, können Sie sie wie auch die VHS-Aufnahmen mit einem Camcorder oder einem Smartphone von einer Leinwand abfilmen. Der Nachteil dabei ist, dass es durch die Eigenschaften des wiedergebenden Projektors in der Regel zu Lichtblitzen und Helligkeitsflackern kommt, was das Ergebnis stört. Durch die Reduktion der Wiedergabegeschwindigkeit kann dieser Effekt verringert werden. Ansonsten ist das Ergebnis wie auch bei den abgefilmten VHS-Kassetten passabel und kann durch nachträgliche Bearbeitungen wie zum Beispiel eine Veränderung des Weißabgleichs noch verbessert werden.

Alternativ können Sie mit einem Super 8-Scanner Ihr Material digitalisieren. Da diese Scanner mit entsprechender Software aber im Schnitt ab 800 Euro kosten, lohnt sich eine Anschaffung nur, wenn Sie sehr viel Material digitalisieren wollen. Diese Scanner können auch geliehen werden, was pro Woche rund 100 Euro kostet. Wer sich in einer freien Woche ranhält und all sein Material scannt, kommt mit dieser Variante wahrscheinlich sogar günstiger davon als wenn ein Dienstleister die Digitalisierung übernimmt. Der Scanner tastet die Filmrolle Bild für Bild ab, überträgt sie auf den Computer und erstellt dort eine hochauflösende Filmsequenz.

Wie beim Digitalisieren von VHS-Kassetten ist es auch bei den Super 8 Filmen die Nachbereitung, die viel Zeit kostet. Das Einarbeiten in die Software und Technik dauert ebenfalls etwas, weshalb es sinnvoll sein kann, einfach auf den Fachmann zurückzugreifen.

Video 8 digitalisieren

Video 8-Kassetten waren damals die kompakte Alternative zu VHS-Kassetten. Für Camcorder waren sie beliebt, die Heimvideorekorder für Video 8 konnten sich nie wirklich durchsetzen. Um Ihre Video 8-Aufnahmen zu retten, können Sie sie entweder im Fachhandel zur Digitalisierung einschicken oder sich selber heran wagen.

Dafür benötigen Sie einen Computer und ein Abspielgerät. Das kann entweder ein Digital8-Camcorder sein, den Sie vielleicht sogar noch von früher zuhause haben und der über die Firewire-Schnittstelle an den Computer angeschlossen werden kann, sofern Ihr PC diese Schnittstelle hat. Alternativ hilft Ihnen ein USB-Videograbber mit entsprechender Software, um die Video 8 Aufnahmen zu überspielen. Mit der Software von MAGIX ist das Digitalisieren von Video 8-Filmen ganz leicht, mitgeliefert wird sogar ein Adapter mit verschiedenen Anschlüssen, um den Camcorder mit dem PC verbinden zu können. Auch die Nachbearbeitung ist mit der Software möglich. Der Preis für das MAGIX-Paket liegt bei rund 60 Euro.

Überlassen Sie die Digitalisierung einem Profi, kostet dies pro Videokassette um die 10 Euro. Wenn Sie das technische Equipment wie den Digital8-Camcorder nicht eh schon zuhause haben, ist es wahrscheinlich günstiger, wenn Sie die Videos professionell digitalisieren lassen, zumal es Ihnen viel Zeit spart. Außerdem erhalten Sie so in der Regel das bessere Ergebnis.

Schallplatten digitalisieren

Alte Schalplatten zu digitalisieren macht nur begrenzt Sinn. Schließlich können die meisten der Lieder auf den Vinyl-Scheiben heutzutage jederzeit gestreamt werden. Manchmal ist jedoch auch ein Titel dabei, den es in der Form eben nicht im Streaming-Angebot gibt und zudem ist auch der Klang der Musik von der Schalplatte zum Teil noch ganz anders als beim Streaming-Anbieter.

Wenn Sie Ihr Vinyl selber digitalisieren wollen, benötigen Sie einen USB-Plattenspieler. Diesen können Sie ganz einfach an Ihren PC anschließen und die alten Platten dann darauf abspielen. Mit einer Freeware wie Audacity gelingt die Aufnahme ganz leicht. Die beliebte Freeware ist sowohl für Mac als auch für Windows erhältlich. Über ein solches Programm wird der Ton von der Platte an den Computer übertragen und die erstellte Datei lässt sich anschließend abspeichern und beliebig vervielfältigen. Auch eine Nachbearbeitung der Tonqualität ist noch möglich.

Achtung:

Spielen Sie die Schalplatten nur in Echtzeit ab, um sie zu digitalisieren. Eine schnellere Aufnahme, die dann nachträglich wieder verlangsamt wird, birgt zu viele Risiken für Qualitätsverluste.

CDs digitalisieren

CDs sind noch nicht gänzlich ausgestorben aber zumindest kurz davor. Mit einem CD-Player an Ihrem PC sowie der richtigen Software digitalisieren Sie Ihre alten CDs problemlos. Geeignete Programme sind:

  • Exact Audio Copy
  • Windows Media Player
  • FreeRip

Das Digitalisieren von CDs wird auch rippen genannt. Die Songs können dank der Software einfach als MP3 auf dem PC gespeichert werden. Wie auch bei Schallplatten müssen Sie überlegen, ob das Rippen wirklich nötig ist, schließlich ist auch diese Musik möglicherweise auf Streaming-Portalen zu finden.

Fotos und Dias digitalisieren

Insbesondere die Digitalisierung von Fotos ist wohl eine der am häufigsten durchgeführten Digitalisierungen überhaupt. Analoge Bilder zu retten lässt sich sowohl mit einem Flachbettscanner oder einer Digitalkamera selber erledigen und ist nicht sonderlich schwierig. Alternativ lassen sich die Bilder aus Papier auch einem Dienstleister übergeben, was besonders bei großen Bildmengen Sinn macht.

Das eigenhändige Digitalisieren von Dias ist schon etwas schwieriger. Mit einem Diascanner oder einem Flachbettscanner mit Durchlichteinheit lässt sich ein gutes Ergebnis erzielen, wenn einige Dinge berücksichtigt werden. Auch Dias können einem Profi zur Digitalisierung überlassen werden, der das beste Ergebnis aus den analogen Aufnahmen herausholt und Ihnen alle Vorteile der digitalen Transformation verdeutlicht.

 

Visitenkarten digitalisieren

Um Visitenkarten zu digitalisieren, braucht es nur ein Smartphone. Zahlreiche Apps bieten über den Zugriff auf die Smartphone-Kamera die Möglichkeit an, die wertvollen Kontakte auf den kleinen Kärtchen zu digitalisieren und zu archivieren. Das eigene Dokumentenmanagement wird so leicht gemacht. Beliebte Apps mit vielen nützlichen Zusatzfunktionen sind:

CamCard:

Scannt Visitenkarten und erkennt 16 Sprachen, legt auf Wunsch Social Media-Einträge auf ausgewählten Plattformen an und synchronisiert die Kontaktinformationen der Karte mit den Kontaktinformationen im Adressbuch des Smartphones. Zudem lassen sich auch gleich mehrere Karten scannen und die Kontakte direkt teilen.

Fox Card:

Die App funktioniert ähnlich wie CamCard, ist aber etwas übersichtlicher gestaltet. So entfällt zum Beispiel die Social Media-Plattform-Synchronisation. Fox Card erkennt neun Sprachen auf den kleinen Papierdokumenten und ermöglicht die Synchronisation der neuen Kontakte mit dem eigenen Telefonbuch.

WorldCard Mobile:25 Sprachen kann die App erkennen, weshalb sich die WorldCard Mobile-App besonders dann lohnt, wenn Sie viele internationale Visitenkarten haben. Auch in dieser App gibt es die Möglichkeit die neuen Kontakte direkt in das Telefonbuch zu integrieren – zusätzlich ist eine Verknüpfung mit den Google-Kontakten oder der Dropbox möglich, für die sichere Archivierung.

Wollen Sie Visitenkarten lieber am PC digitalisieren, können Sie sie einscannen. Mit der entsprechenden Software können die Kontakte dann zum Beispiel direkt in Outlook abgelegt werden. Ganz einfach geht es mit diesen Softwareprogrammen:

Stempel digitalisieren

Mit einem Stempel werden Dokumente, Rechnungen oder Belege besiegelt, beglaubigt und offiziell gemacht. Im digitalen Zeitalter haben manuelle Stempel allerdings ausgedient – die papierlose Kommunikation hat sich durchgesetzt. Alternativ lässt sich die eigene Unterschrift einscannen, mit der etwas digital gestempelt werden kann. Dies funktioniert ganz einfach, indem Sie auf einem weißen Blatt unterschreiben und dieses Einscannen. Die entstehende Grafik können Sie anschließend beliebig in Dokumente und Unterlagen einfügen. Auch mit einem bestimmten Schriftzug, der Ihnen als manueller Stempel vorliegt, funktioniert dieses Vorgehen und der Stempel kann anschließend digital genutzt werden.

Alternativ kann auch am PC ein digitaler Stempel erstellt werden. Dies funktioniert zum Beispiel über  das Programm Adobe, über das auch PDFs angezeigt oder erstellt werden können. Unter "Werkzeug -> Stempel -> Stempelpalette"können Sie aus verschiedenen Optionen wählen.

Fazit

Die Digitalisierung analoger Aufnahmen und Objekte hilft Ihnen dabei, Ihre Schätze zu sichern. Bei Medien wie Videokassetten, Super 8 Filmen und Video 8 können Sie die Digitalisierung entweder selber übernehmen oder sie einem Dienstleister überlassen. Gleiches gilt für die Digitalisierung von Dias oder Fotos. Bei Schallplatten lohnt es sich nicht immer sie zu digitalisieren, schließlich ist die Musik häufig bei Streaming-Anbietern verfügbar. Dasselbe gilt auch für CDs. Visitenkarten lassen sich leicht selber digitalisieren, sei es über praktische Apps oder über den PC. Stempel können am Computer entweder digital erstellt werden oder analoge Stempel werden eingescannt und anschließend digital genutzt.

Mit ein wenig Einarbeitung in die verschiedenen Hard- und Softwareoptionen kann auch Technik-Muffeln das Digitalisieren analoger Medien gelingen. Bei speziellen Technologien kann es jedoch leichter sein das Digitalisieren einfach den Profis zu überlassen, denn das spart nicht nur Zeit, sondern sorgt meist auch noch für ein besseres Ergebnis.