Abstrakte Fotografie

10. August 2012

Die abstrakte Fotografie beschäftigt sich in der Hauptsache frei mit Flächen, Farben und Linien, ohne den Kontext abzubilden, in dem sich die Objekte befinden. Wenn Sie sich von der Idee lösen, dass ein Foto eine Bildaussage haben muss und so Ihr Umfeld einmal mit anderen Augen betrachten, erschlägt Sie die Welt mit ihren Farben und Formen — Sie werden gar nicht wissen, wo Sie mit dem Fotografieren anfangen sollen.

Die Geschichte der Abstrakten Fotografie

Die abstrakte Fotografie ist keine Modeerscheinung oder neuzeitliche Erfindung. Die Frühphase der Fotografie wurde durch die Abbildungstreue bestimmt. All ihre Pioniere, wie zum Beispiel Daguerre und Talbot, sahen die Leistung des Mediums Fotografie darin, dass sich das exakte Abbild einer Landschaft, eines Gegenstands oder Menschen auf der fotografischen Platte abzeichnete.

Doch bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigten sich neue Tendenzen, die schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu zeitgleich in New York, London und Zürich in die „Erfindung“ einer ungegenständlichen Fotografie mündeten: Paul Strand arrangierte ab 1916 seine abstrakten Stillleben, etwa zeitgleich entwickelte Alvin Langdon Coburn mit Hilfe von Spiegeln seine „Vortographs“ und propagierte erstmals den Begriff der abstrakten Fotografie. Und Christian Schad verzichtete gleich ganz auf die fotografische Linse und entwickelte unmittelbar auf dem lichtempfindlichen Papier „Schadographien“. Die abstrakte Fotografie war geboren.

Es folgten Arbeiten von Edward Steichen, Man Ray und László Moholy-Nagy, die mit ihren Fotogrammen und konstruktivistischen Kompositionen die abstrakte Fotografie bis 1924 zu einer Kunstgattung erhoben. Bis heute verlaufen die Grenzen zwischen abbildender und abstrakter Fotografie fließend, denn Arrangements von Gegenständen lassen sich als Abbildungen von Objekten ebenso lesen wie als reine Formen. Der Blick von oben, in einen Spiegel oder durch ein Prismenglas lässt Strukturen und ungesehene Details hervortreten. Diese neue Art des Sehens beeinflusste die Bildästhetik in der Fotografie maßgeblich, ohne dass die Fotos zwingend Ungegenständliches abbilden müssen.

Was ist Abstrakte Fotografie?

Versuch einer Definition: „Der Begriff abstrakte Fotografie bezeichnet ein besonderes Genre der Fotografie. Er dient als Sammelbegriff für eine Kunstform, bei der die gegenständliche fotografische Abbildung zugunsten fotografischer Strukturbildungsprozesse in den Hintergrund tritt. Im Vordergrund steht die Veranschaulichung einer Idee, die unter bewusster Vernachlässigung von Aspekten der Gegenständlichkeit und Wiedererkennbarkeit fotografisch realisiert wird. Dabei gelingen Bildaussagen, die die gegenständlich-abbildende Fotografie nicht ermöglicht und ihre Grenzen überschreiten. Das Gebiet schließt die Abstraktion des Sichtbaren, die Visualisierung des Unsichtbaren und die Konkretisierung reiner Sichtbarkeit in sich ein. Ergebnisse abstrakter Fotografien sind nicht in erster Linie Abbilder und Sinnbilder, sondern Strukturbilder. Letztendlich sind es fotografische Objekte ihrer selbst.“

Abstrakte Fotografie können Sie nicht mit abstrakter Malerei vergleichen, weil die Basis eine vollkomme andere ist. Denn die Fotografie beruht zunächst immer auf der Abbildung des Realen und konzentriert sich immer auf die ausschnittweise Wiedergabe dessen. In der Malerei ist der Künstler frei in der Gestaltung seiner Farben, Flächen, Formen und Strukturen. Als Fotograf müssen Sie mit den Motiven arbeiten, die Sie vorfinden ‒ dennoch ist jedes Foto grundsätzlich und immer eine Abstraktion. Selbst die realistische Wiedergabe auf einem Foto ist nur eine Annäherung an das Reale. Bereits im Moment der Aufnahme wirken so viele technische Gegebenheiten, dass sich die Realität von der Abbildung entfernt. Im Grunde genommen ist der erste Schritt zur Abstraktion die Umwandlung des dreidimensionalen Motivs in ein zweidimensionales Foto. Dann beeinflussen sämtliche Aufnahmeparameter wie zum Beispiel Blende, Brennweite und Bildausschnitt die Realität. Aus diesem Grund gibt es auch keine eindeutige Definition für abstrakte Fotografie. Hardliner dieses Genres propagieren jedoch übereinstimmend, dass abstrakte Fotografie nichts mit Bildverfälschung oder Bildbearbeitung zu tun hat.

Im Zeitalter der digitalen Fotografie möchten wir das so jedoch nicht unterschreiben. Denn viele Techniken, die in der analogen Fotografie zur Abstraktion dienen (dazu zählen zum Beispiel die Infrarot-Fotografie oder die Arbeit mit Vorsatzfiltern ebenso wie die Ausbelichtungstechniken, hier zum Beispiel die Solarisation oder das Spiel mit der Gradation), werden heute digital in der RAW-Entwicklung oder Bildbearbeitung simuliert. Also können Sie den Rahmen in gewissem Umfang auch auf die Bildverarbeitung ausdehnen. Eins sollte jedoch klar sein: Das abstrakte Foto sollte mit Ihrer Kamera entstehen, zusätzliche Bearbeitungen oder Verfremdungen sollten das Motiv nur unterstützen und nicht zum eigentlichen Motiv werden. Digitale Verfremdungen sind ein eigenständiges Genre und haben nichts mit abstrakter Fotografie zu tun.

Abstrakte Fotografie ist Ihre eigene, ganz persönliche Sicht der Dinge. Abstrakt wird ein Foto dann, wenn sich der Bildbetrachter auf keine seiner gewohnten Sehschemata verlassen kann. Erst bei genauem Hinsehen erschließt sich ihm das, was auf einem abstrakten Foto zu sehen ist. Und manchmal muss man sehr genau hinschauen.

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