SoniControl: Die kostenlose Ultraschall-Firewall fürs Smartphone

18. Juli 2018
Rudolf Ring Von Rudolf Ring, Hardware, News & Trends ...

Mobiltelefone und Tablets können durch sogenanntes Audiotracking mittels Ultraschall unbemerkt das Verhalten ihrer Benutzer verfolgen – etwa das Betrachten bestimmter Videos oder den Aufenthalt an bestimmten Räumen und Plätzen. Im Projekt SoniControl entwickelte die Fachhochschule St. Pölten eine Methode, wie dieses unbemerkte (und meist ungewollte) Ausspionieren enttarnt und blockiert werden kann.

Die permanente Vernetzung mobiler Endgeräte kann die Privatsphäre der Benutzer gefährden und zu neuen Formen der Überwachung führen. Neue Technologien wie Google Nearby und Silverpush verwenden Ultraschalltöne, um Informationen zwischen Geräten über Lautsprecher und Mikrofon auszutauschen (auch „data over audio“ genannt).

Immer mehr unserer Geräte kommunizieren über diesen unhörbaren Kommunikationskanal. Ultraschallkommunikation ermöglicht es, Geräte zu koppeln, Informationen auszutauschen, aber auch BenutzerInnen und ihr Verhalten über mehrere Geräte hinweg zu verfolgen, ähnlich wie mit Cookies im Web. Jedes Gerät mit einem Mikrofon und einem Lautsprecher kann Ultraschalltöne senden und empfangen. Die Benutzer sind sich in der Regel dieser unhörbaren und versteckten Datenübertragung nicht bewusst.

Ultraschall-Firewall

Das Projekt SoniControl der FH St. Pölten entwickelte eine mobile Anwendung, die akustische Cookies aufspürt, die Nutzer darauf aufmerksam macht und auf Wunsch das Tracking blockiert. Die App ist damit gewissermaßen die erste verfügbare Ultraschall-Firewall für Smartphones und Tablets. 

Ausforschen von Interessen und Standort

Ultraschallsignale können für sogenanntes „Cross-device-tracking“ verwendet werden. Damit kann das Verhalten von Benutzerinnen und Benutzern über mehrere Geräte hinweg verfolgt werden und entsprechende Benutzerprofile können miteinander verschmolzen werden. So lassen sich akkuratere Benutzer-Profile für zielgerichtete Werbung und die Filterung von Internetinhalten erstellen.

Akustische Cookies konnten bisher jedoch nicht – so wie ihre elektronischen Gegenstücke beim Besuch von Webseiten – blockiert werden. Das Handymikrofon ist oft permanent aktiv, um Sprachbefehle entgegen zu nehmen. Jede mobile Anwendung, die Zugriff auf das Mikrofon hat, sowie das Betriebssystem selbst können jederzeit das Mikrofon eines mobilen Endgerätes ohne Benachrichtigung aktivieren, abhören, akustische Cookies erkennen und über das Internet abgleichen. Die Nutzer werden über diese Informationsübermittlung im laufenden Betrieb oft nicht informiert. Nur eine permanente Deaktivierung des Mikros hätte bisher Abhilfe geschafft, wodurch jedoch das Gerät als Telefon unbrauchbar wird.

Maskieren von Ultraschall-Cookies

Im Projekt SoniControl entwickelte Zeppelzauer mit seinen Kollegen Peter Kopciak, Kevin Pirner, Alexis Ringot und Florian Taurer ein Verfahren, um akustische Datenübertragung zu erkennen und Gerätebenutzer zu informieren: Basis sind Signalverarbeitungsmethoden, die kontinuierlich auf das Ultraschallfrequenzband angewendet werden. Zur Maskierung und Blockierung des Ultraschalldatenaustauschs werden Störsignale über den Lautsprecher des eigenen Mobilgeräts gesendet.

So können akustische Cookies neutralisiert werden, bevor Betriebssystem oder mobile Applikationen darauf zugreifen können. Benutzer können Cookies selektiv blockieren, ohne die Funktionsweise des Smartphones zu beeinträchtigen. Die für Menschen unhörbare Maskierung der Cookies erfolgt mittels Ultraschall. Die SoniControl-App für Android-Mobilgeräte erhalten Sie kostenlos im Google Play.

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